Lavendel aus Stecklingen vermehren – auch wenn Sie es noch nie zuvor gemacht haben

Lavendel vermehren: So klappt die Stecklingsvermehrung auch für Anfänger

Lavendel begeistert mit seinem beruhigenden Duft, den leuchtend violetten Blüten und seiner Bedeutung für Bienen und andere Bestäuber. Statt jedes Jahr neue Pflanzen zu kaufen, können Sie Ihren Lavendel ganz einfach selbst vermehren – kostengünstig und unkompliziert. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie aus Stecklingen gesunde neue Pflanzen ziehen.

Warum Lavendel über Stecklinge vermehren?

  • Geld sparen: Aus nur einer Mutterpflanze lassen sich zahlreiche Nachkommen ziehen, ohne ins Gartencenter zu gehen.
  • Sortenechtheit: Stecklinge sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze und bewahren Duft, Form und Wuchs.
  • Schneller als Samen: Samen keimen oft langsam und unregelmäßig, Stecklinge hingegen wurzeln schneller und blühen früher.
  • Gut für Bienen: Mehr Pflanzen bedeuten mehr Blüten und unterstützten somit die Bestäuber in Ihrem Garten.

Wann ist der beste Zeitpunkt für Lavendelstecklinge?

  • Frühling bis Frühsommer (Weichholzstecklinge): optimale Bedingungen für schnelle Wurzelbildung.
  • Spätsommer bis Frühherbst (Halbhartholzstecklinge): robustere Stecklinge mit etwas längerer Wurzelzeit.
  • Im Winter vermeiden: Lavendel wächst im Winter langsam und bildet kaum Wurzeln.

Das brauchen Sie für die Vermehrung

  • Scharfe, saubere Schere oder Gartenschere
  • Gesunde Lavendelpflanze als Mutterpflanze
  • Kleine Töpfe oder Anzuchtschalen
  • Gut durchlässige Anzuchterde oder Mischung aus Sand und Perlit
  • Wurzelhormon (optional, fördert Wurzelbildung)
  • Klarsichtfolie oder Mini-Gewächshaus für hohe Luftfeuchtigkeit
  • Gießkanne oder Sprühflasche

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Lavendel aus Stecklingen ziehen

1. Den richtigen Steckling wählen

Wählen Sie einen grünen, biegsamen Trieb ohne Blüten, etwa 8–10 cm lang. Verholzte oder blühende Triebe wurzeln meist schlechter.

2. Sauber abschneiden

Schneiden Sie den Trieb knapp unter einem Blattknoten ab – dort entstehen später die Wurzeln.

3. Untere Blätter entfernen

Entfernen Sie die Blätter im unteren Bereich, damit diese nicht in der Erde faulen und die Wurzelbildung gefördert wird.

4. Mit Wurzelhormon behandeln (optional)

Tauchen Sie die Schnittstelle in Wurzelhormonpulver oder -gel, um die Wurzelbildung zu unterstützen.

5. Steckling einpflanzen

Stecken Sie den Steckling in feuchte Anzuchterde, wobei der blattfreie Teil gut bedeckt ist. Drücken Sie die Erde leicht an, damit der Steckling stabil steht.

6. Mini-Gewächshaus schaffen

Bedecken Sie den Topf mit einer Plastiktüte oder einem Luftfeuchtigkeitshaube, um die Feuchtigkeit zu halten. Achten Sie darauf, dass die Folie den Steckling nicht berührt.

7. Hellen, warmen Standort wählen

Stellen Sie den Steckling an einen hellen Ort mit indirektem Licht und einer Temperatur zwischen 18 und 24 °C — direktes Sonnenlicht vermeiden.

8. Regelmäßig anfeuchten

Besprühen Sie die Erde regelmäßig, sodass sie feucht bleibt, jedoch nicht nass. Nach 3–6 Wochen zeigen sich erste neue Triebe als Zeichen für Wurzeln.

Lavendel-Stecklinge umpflanzen

  • Entfernen Sie vorsichtig die bewurzelten Stecklinge aus dem Gefäß, ohne die feinen Wurzeln zu beschädigen.
  • Pflanzen Sie sie in größere Töpfe mit gut durchlässiger Erde oder direkt ins Beet um.
  • Gießen Sie sparsam und lassen Sie die Erde zwischen den Wassergaben leicht antrocknen, um Wurzelfäule zu vermeiden.
  • Gewöhnen Sie die jungen Pflanzen mit einem „Abhärtungs“-Prozess an die Außenbedingungen, indem Sie sie täglich für einige Stunden ins Freie stellen.

Häufige Fehler vermeiden

  • Keine alten, verholzten Triebe verwenden – sie wurzeln kaum.
  • Keine Staunässe – Lavendel braucht durchlässige Erde und mag keine nassen Füße.
  • Kein überwässern – Erde sollte feucht, aber nie nass sein.
  • Keine volle Sonne für junge Stecklinge – Schatten oder diffuses Licht bevorzugen.

Praktische Tipps für mehr Erfolg

  • Beschriften Sie Ihre Stecklinge, wenn Sie verschiedene Sorten vermehren.
  • Verlieren Sie nicht den Mut bei Ausfällen – das ist ganz normal.
  • Schneiden Sie lieber mehrere Stecklinge, um die Erfolgschancen zu erhöhen.

Herzlichen Glückwunsch – Lavendel selbst vermehrt!

Mit ein bisschen Geduld und Sorgfalt verwandeln Sie jeden Rückschnitt in neue Pflanzen voller Duft und Schönheit. Ob für Ihren Garten oder als Geschenk – mit der Stecklingsvermehrung multiplizieren Sie die Lavendel-Liebe auf einfache und nachhaltige Weise.