Samstagvormittag, kurz nach elf. Auf dem Küchentisch liegen fünf Zwiebeln, zwei Paprika und ein halbes Kilo Schweinegulasch, und im Radio läuft irgendein Bericht über steigende Lebensmittelpreise. Ich schäle und schneide, und während der Berg Zwiebeln immer größer wird, denke ich daran, dass in diesem Topf gleich das Essen für zwei Tage steckt.
Gulaschsuppe ist bei uns kein Sonntagsgericht und kein Partyessen. Sie ist das, was ich koche, wenn ich einmal Zeit habe und danach zwei Abende Ruhe haben will. Das Fleisch macht dabei den kleinsten Teil aus. Was den Topf wirklich füllt, sind Kartoffeln, Paprika und eine Menge Zwiebeln, die beim Schmoren zerfallen und die Suppe von selbst binden.
Beim ersten Mal habe ich Rindergulasch gekauft, weil ich dachte, das gehöre so. Es kostete fast neun Euro und brauchte zweieinhalb Stunden, bis es weich war. Heute nehme ich Schweinegulasch für die Hälfte, es ist nach einer guten Stunde zart, und ehrlich gesagt hat es an unserem Tisch niemand je bemerkt.
Warum 500 g Fleisch für sechs Teller reichen
Die Rechnung ist simpel: In den Topf kommen 800 g Kartoffeln, ein halbes Kilo Zwiebeln und zwei Paprikaschoten — zusammen deutlich über anderthalb Kilo Gemüse. Dagegen stehen 500 g Fleisch. Auf jeden Löffel kommt also viel mehr Kartoffel als Gulasch, und trotzdem hat jeder Teller Fleisch drin, weil die Würfel klein geschnitten sind.
Der zweite Punkt ist die Flüssigkeit. 1,2 Liter Brühe klingen nach viel, aber die Kartoffeln geben Stärke ab und dicken die Suppe an. Am Ende steht kein dünner Sud im Topf, sondern etwas, das zwischen Suppe und Eintopf liegt. Mit einer Scheibe Brot dazu werden aus vier großen Tellern locker sechs.

So koche ich sie
- Zwiebeln halbieren und in Streifen schneiden — nicht zu fein, sie sollen langsam zerfallen dürfen. Knoblauch hacken. Paprika entkernen und in kleine Würfel schneiden. Kartoffeln schälen und in mundgerechte Stücke teilen.
- Öl in einem großen Topf erhitzen. Das Gulasch trocken tupfen und portionsweise scharf anbraten, bis es rundum braun ist. Herausnehmen und beiseitestellen.
- Die Zwiebeln in den gleichen Topf geben und bei mittlerer Hitze zehn Minuten weich schmoren. Das ist der Schritt, an dem die meisten sparen — und genau der, der die Suppe später süß und sämig macht. Knoblauch kurz mitrösten.
- Tomatenmark dazugeben und zwei Minuten mitbraten, bis es dunkel wird und leicht am Boden ansetzt.
- Topf vom Herd ziehen, das Paprikapulver einrühren. Nur außerhalb der starken Hitze, sonst wird es bitter. Fleisch zurück in den Topf.
- Mit der heißen Brühe aufgießen, Kümmel und Lorbeerblatt dazu, salzen und pfeffern. Deckel drauf und bei kleiner Hitze 45 Minuten leise köcheln lassen.
- Kartoffeln und Paprikawürfel einrühren und weitere 25 bis 30 Minuten kochen, bis die Kartoffeln weich sind und ein paar Stücke an den Rändern zerfallen.
- Lorbeerblatt herausfischen, kräftig abschmecken. Eine Gulaschsuppe verträgt mehr Salz und mehr Paprikapulver, als man denkt.
Die Sache mit den Paprikastücken
Als ich die Suppe zum ersten Mal für die Kinder gekocht habe, saß die Kleine da und hat jedes einzelne Paprikastück herausgefischt und ordentlich auf den Tellerrand gelegt. Am Ende lag dort ein kleiner roter Wall, und in der Suppe schwamm nur noch Kartoffel. Seitdem schneide ich die Paprika so klein, dass sie beim Kochen fast verschwindet — und siehe da, sie wird mitgegessen. Nicht kommentiert, aber mitgegessen. Das reicht mir.

Wo genau gespart wird
Der größte Hebel ist die Fleischsorte. Schweinegulasch kostet bei Aldi und Lidl je nach Woche um die 9 € pro Kilo, Rindergulasch fast das Doppelte. Für eine Suppe, in der ohnehin viel Paprika und Kümmel mitspielen, ist der Unterschied auf dem Löffel kaum zu schmecken. Wer noch weiter runter will: Ein Teil des Fleischs lässt sich durch zwei zusätzliche Kartoffeln ersetzen, dann liegt die Portion unter 1,70 €.
Der zweite Hebel sind die Zwiebeln. Ein Kilo im Netz kostet keinen Euro und ist damit die günstigste Sättigung, die es überhaupt gibt. Ich kaufe sie grundsätzlich im Netz statt einzeln — lose sind sie pro Stück fast doppelt so teuer.
Sparen solltest du dagegen nicht am Anbraten und nicht am Paprikapulver. Wenn das Fleisch nur grau wird statt braun, fehlt der ganzen Suppe später der Boden, und da hilft kein Nachwürzen. Und ein Beutel Paprikapulver edelsüß für 79 Cent reicht für ein halbes Jahr, davon kommen hier zwei gehäufte Esslöffel hinein. Das ist keine Stelle zum Knausern.

Was du sonst noch hineingeben kannst
- Eine Möhre, klein gewürfelt, mit den Kartoffeln. Kostet zehn Cent und macht die Suppe etwas süßer.
- Ein Schuss Essig am Ende, ein Teelöffel reicht. Er hebt den ganzen Topf an, ohne dass jemand ihn herausschmeckt.
- Zwei Löffel Schmand auf dem Teller, wenn es sonntäglicher werden soll.
- Nudeln statt Kartoffeln, wenn du nur noch eine halbe Packung im Schrank hast. Dann aber erst in den letzten zehn Minuten dazu.
Was übrig bleibt, friere ich in Portionsdosen ein. Kartoffelstücke werden dabei etwas mehliger, das stört in einer Suppe aber nicht. Wenn du solche Töpfe magst, die zwei Tage tragen, findest du in den Suppen für die Familie noch mehr davon — der Grüne-Bohnen-Eintopf mit Mettwurst funktioniert nach demselben Prinzip, nur mit Wurst statt Gulasch und in der halben Zeit. Und falls vom Wochenende noch Braten übrig ist, brauchst du gar kein neues Fleisch zu kaufen: Daraus wird ein Montagsgulasch.
Eine Frage habe ich noch an dich: Kümmel oder kein Kümmel? Bei uns am Tisch gehen die Meinungen auseinander, und ich mahle ihn deshalb inzwischen fein, damit niemand ein ganzes Korn erwischt. Wie hältst du es?
