Freitagabend, halb sieben, und der Kühlschrank gibt genau das her: ein Stück Butter, drei Eier und ein angebrochenes Glas Gurken. Eingekauft wird erst am Samstag. Für solche Abende habe ich ein Fach im Vorratsschrank, aus dem ein ganzes Abendessen wird, ohne dass ich noch einmal die Jacke anziehen muss.
Zwei Dosen Thunfisch, eine Packung passierte Tomaten, Spaghetti, eine Zwiebel, zwei Zehen Knoblauch. Nichts davon verdirbt, alles zusammen kostet 5,19 € — 1,30 € pro Teller für vier Personen. Und das Beste: Die Sauce ist fertig, bevor die Nudeln weich sind. Ich fange erst an, wenn das Wasser schon kocht.
Lange habe ich Thunfischnudeln für einen Notnagel gehalten, für das, was man kocht, wenn nichts anderes da ist. Inzwischen steht das Gericht bei uns im normalen Wochenplan, meist dienstags, weil es das einzige Rezept ist, bei dem ich abends um sechs nicht überlegen muss, ob ich alles im Haus habe. Weitere Ideen für Abende ohne Einkauf findest du unter Günstige Abendessen.

Warum ausgerechnet die Dose funktioniert
Thunfisch aus der Dose ist schon gegart. Er braucht keine Zeit, er braucht nur Wärme — und zwar so wenig wie möglich. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Sauce, in der noch erkennbare Stücke schwimmen, und einer grauen Masse, die nach Katzenfutter aussieht. Wie sie aussieht, wenn man es falsch macht, weiß ich sehr genau, dazu gleich mehr.
Beim Kaufen achte ich auf zwei Dinge. Erstens: Thunfisch in Öl, nicht in eigenem Saft. Der in Öl ist meist ein paar Cent teurer, aber das Öl ist mitbezahltes Aroma — ich schütte es nicht weg, sondern gebe zwei, drei Esslöffel davon in die Pfanne, dort wo sonst normales Speiseöl hineinkäme. Der in Wasser oder eigenem Saft wird in der Sauce trockener und fasriger. Zweitens: die Angabe „Abtropfgewicht“ auf der Dose. 185 g Füllmenge heißen oft nur 130 g Fisch. Bei den ganz billigen Aktionsdosen sind es manchmal nur 110 g, dann rechnet sich der niedrigere Preis nicht mehr.
Ich kaufe die Dosen nie einzeln, sondern immer vier auf einmal, wenn sie im Angebot sind. Bei Aldi und Lidl liegt der Preis pro Dose zwischen 0,99 € und 1,39 €, je nach Woche. Zwei Dosen im Schrank sind für mich so etwas wie eine Versicherung gegen den Lieferdienst — denn eine Pizza für vier kostet 25 € und dieser Topf 5,19 €.
Die Zubereitung
Zwanzig Minuten von der ersten Zwiebel bis zum Tisch, und die Hälfte davon steht man ohnehin nur am Nudeltopf.
- Reichlich Wasser aufsetzen und kräftig salzen. Wenn es kocht, kommen die Spaghetti hinein — ab jetzt läuft die Uhr für die Sauce mit.
- Zwiebel fein würfeln, Knoblauch hacken. Die Thunfischdosen öffnen und das Öl abgießen, aber in einer Tasse auffangen. Den Fisch mit der Gabel grob zerteilen, nicht zermusen.
- Zwei Esslöffel vom Thunfischöl in einer weiten Pfanne erhitzen. Zwiebelwürfel darin bei mittlerer Hitze glasig dünsten, das dauert drei bis vier Minuten. Knoblauch erst danach dazugeben, er verbrennt sonst.
- Tomatenmark einrühren und eine Minute mitrösten, bis es dunkler wird und der scharfe Geruch weg ist. Dieser eine Schritt macht später den Unterschied zwischen wässrig und rund.
- Passierte Tomaten angießen, Oregano und eine Prise Chiliflocken dazu, salzen, pfeffern. Bei kleiner Hitze zehn Minuten leise köcheln lassen. Wenn die Sauce zu dick wird, einen Schöpflöffel Nudelwasser dazugeben.
- Oliven in Scheiben schneiden und in die Sauce geben. Erst jetzt, ganz zum Schluss, den Thunfisch unterheben und die Hitze ausschalten. Er soll nur noch warm werden — höchstens eine Minute.
- Spaghetti abgießen, direkt in die Pfanne geben und alles durchschwenken, sodass jede Nudel Sauce abbekommt. Petersilie darüber, fertig.

Der Fehler, den ich zweimal gemacht habe
Beim ersten Mal habe ich den Thunfisch zusammen mit den Zwiebeln in die Pfanne gegeben, weil ich dachte, er müsse „mitziehen“. Nach zehn Minuten Köcheln war von den Stücken nichts mehr übrig, die Sauce war grau-braun und roch streng durchs ganze Treppenhaus. Jonas hat den Löffel hingelegt und gefragt, ob das Essen kaputt sei. Beim zweiten Mal habe ich es wieder getan, aus reiner Gewohnheit, und war ehrlich sauer auf mich.
Seitdem liegt der Thunfisch bei mir bis zum Schluss neben dem Herd. Er kommt in die fertige Sauce, wenn die Platte schon aus ist. Dann bleiben die Stücke ganz, die Sauce bleibt rot, und man sieht auf dem Teller, dass Fisch dabei ist. Genau das war für Lina der Punkt, an dem sie das Gericht akzeptiert hat: Sie mag es nicht, wenn sie nicht erkennt, was sie isst.
Der zweite Fehler wäre, an den passierten Tomaten zu sparen und stattdessen Dosentomaten in Stücken zu nehmen. Kann man machen, aber dann braucht die Sauce zwanzig statt zehn Minuten, bis die Stücke zerfallen — und der ganze Vorteil, dass alles in der Nudelzeit fertig ist, ist weg. Passierte Tomaten kosten 0,69 € für 500 g und sparen hier vor allem Zeit.
Wo hier gespart wird
Der Fisch ist der teuerste Posten: 2,38 € von 5,19 €, also fast die Hälfte. Alles andere zusammen kostet weniger als drei Euro. Genau deshalb strecke ich nicht am Fisch, sondern drumherum — 500 g Spaghetti für vier Personen sind reichlich bemessen, und die Sauce muss nur kräftig genug sein, um sie zu tragen.
Was du weglassen kannst, ohne dass es auffällt: die Oliven (0,55 €). Dann landet der Teller bei 1,17 €. Ich nehme sie trotzdem, weil sie Salz und Biss bringen und ein halbes Glas zwei Mal reicht. Was du nicht weglassen solltest: den Knoblauch und das Anrösten des Tomatenmarks. Beides kostet zusammen 26 Cent und macht aus zwei Zutaten ein Essen.
Wer es noch billiger braucht, nimmt eine Dose Thunfisch statt zwei und gibt eine Dose Mais oder eine Handvoll TK-Erbsen dazu. Damit bist du bei rund 0,95 € pro Portion. Die Kinder merken den Unterschied bei uns kaum, ich schon — deswegen bleibt es bei zwei Dosen, solange sie im Angebot sind. Ähnlich rechnet es sich beim Thunfisch-Nudel-Auflauf aus Vorräten, nur dass der noch zwanzig Minuten in den Ofen muss.

Wenn wirklich gar nichts mehr da ist
Es gibt eine Stufe darunter, und die kennt bei uns jeder Monatsanfang, an dem etwas Größeres bezahlt werden musste: keine Tomaten, kein Fisch, nur Nudeln, Öl und Knoblauch. Daraus wird Spaghetti Aglio e Olio für unter 40 Cent pro Portion. Mit Thunfisch und Tomaten ist man also schon fast im Luxusbereich der Vorratsküche.
Übrig bleibt bei uns selten etwas. Falls doch: Am nächsten Tag kalt aus der Schüssel schmecken die Nudeln erstaunlich gut, fast wie Nudelsalat. Nicht noch einmal in der Pfanne aufwärmen — dann wird der Fisch trocken. Kalt essen, mit einem Schuss Essig darüber, und die Sache ist erledigt.
Sag mir gern, ob bei dir zwei Dosen reichen oder ob deine Kinder wie meine erst mal skeptisch am Teller riechen.
