Donnerstagabend, halb sieben: Im Gemüsefach liegt eine angebrochene Gurke, daneben ein Rest Butter, und der große Einkauf ist erst am Freitag. Solche Abende gibt es bei uns jede Woche. Dafür habe ich unten im Küchenschrank ein Fach, aus dem trotzdem immer ein Abendessen herauskommt: Nudeln, eine Dose Tomaten, zwei Dosen Thunfisch. Erbsen liegen im Gefrierfach, Käse hält im Kühlschrank ohnehin länger als jedes Gemüse.
Der Auflauf, der daraus wird, kostet 5,57 € für vier Personen, also 1,39 € pro Teller. Sein eigentlicher Wert ist aber ein anderer: Du musst dafür nicht mehr losfahren. Kein Zwischeneinkauf um kurz vor Ladenschluss, bei dem am Ende doch wieder Kekse und ein Fertigsalat mit im Wagen liegen.
Und weil manche Kinder bei Fisch grundsätzlich erst mal misstrauisch schauen, ist die Soße hier mild und tomatig gehalten. Der Thunfisch zerfällt beim Mischen in kleine Flocken und verschwindet zwischen Nudeln und Erbsen. Bei uns am Tisch sitzt ein Neunjähriger, der Fischstäbchen für das äußerste Zugeständnis hält — von diesem Auflauf nimmt er zweimal.
Das Grundrezept in fünf Bausteinen
Ich habe mir das Rezept nie als feste Liste gemerkt, sondern als fünf Bausteine. Wenn du die Verhältnisse kennst, kannst du mit dem kochen, was gerade da ist.
- Die Nudeln: 400 g kurze Sorten, also Penne, Fusilli oder Hörnchen. Sie werden nur bissfest vorgekocht, zwei Minuten kürzer als auf der Packung — im Ofen ziehen sie weiter Flüssigkeit.
- Der Thunfisch: zwei Dosen à 185 g, gut abgetropft. Eine Dose ist zu wenig, das schmeckt man kaum noch heraus. Drei machen den Auflauf trocken.
- Die Soße: eine Dose stückige Tomaten (400 g), ein bis zwei Esslöffel Tomatenmark, eine gehackte Zwiebel, eine Zehe Knoblauch und eine kleine Prise Zucker gegen die Säure. Mehr braucht es nicht.
- Das Gemüse: 200 g TK-Erbsen, gefroren untergerührt. Sie bringen Farbe und etwas Süße, die den Fisch abmildert.
- Der Käse: 150 g geriebener Gouda obendrauf. Damit deckst du die Form gerade so ab. Eine dickere Schicht bringt keine bessere Kruste, nur eine teurere.

Zubereitung
- Den Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Auflaufform (etwa 30 × 20 cm) dünn einfetten.
- 400 g Nudeln in reichlich Salzwasser kochen, aber zwei Minuten kürzer als auf der Packung angegeben. Abgießen und kurz abtropfen lassen.
- Währenddessen die Zwiebel fein würfeln und den Knoblauch hacken. 1 EL Öl in einem Topf erhitzen, die Zwiebel darin 3 Minuten glasig braten, den Knoblauch 30 Sekunden mitbraten.
- 2 EL Tomatenmark einrühren und eine Minute mitrösten, bis es dunkler wird. Dann die stückigen Tomaten dazugeben, mit Salz, Pfeffer, Oregano und einer Prise Zucker abschmecken und 5 Minuten leise köcheln lassen.
- Die beiden Dosen Thunfisch in ein Sieb geben, gut abtropfen lassen und mit der Gabel zerpflücken.
- Nudeln, Tomatensoße, Thunfisch und die gefrorenen Erbsen in einer großen Schüssel oder im Nudeltopf mischen. Noch einmal abschmecken — nach dem Backen wird nichts mehr korrigiert.
- Alles in die Form füllen, glatt streichen und den geriebenen Käse gleichmäßig darüberstreuen.
- 25 bis 30 Minuten backen, bis der Käse goldbraun ist und die Soße an den Rändern blubbert. Vor dem Anschneiden 5 Minuten stehen lassen, sonst läuft alles auseinander.

Sechs Abwandlungen
- Mit Mais statt Erbsen: eine Dose Mais (285 g abgetropft) für 0,59 €. Das habe ich ausprobiert, als das Gefrierfach leer war, und seitdem wollen beide Kinder es lieber so. Der Mais ist süßer, und man sieht ihn deutlicher — das hilft offenbar.
- Mit Sahnehaube: 200 g Schmand oder Crème fraîche unter die Nudeln rühren. Kostet 69 Cent mehr und macht den Auflauf deutlich milder und cremiger.
- Mit Paprika: eine rote Paprika in Würfeln zusammen mit der Zwiebel anbraten. Passt gut, wenn frisches Gemüse da ist.
- Ohne Fisch: Statt Thunfisch 200 g Kochschinkenwürfel oder Fleischwurst in Streifen. Dann bist du bei meinem Schinken-Nudel-Auflauf, der ähnlich funktioniert.
- Mit Kruste: zwei Esslöffel Semmelbrösel unter den Käse mischen. Alte Brötchen, gerieben, tun es genauso.
- Ganz ohne Ofen: Wenn du keine Lust auf 30 Minuten Backofen hast, rührst du dieselben Zutaten in der Pfanne zusammen. Das Ergebnis kennst du dann als Spaghetti mit Thunfisch aus der Dose.
Wo das Geld gespart wird
Thunfisch ist die einzige Zutat in diesem Auflauf, die richtig ins Gewicht fällt: 2,38 € für zwei Dosen von den 5,57 € insgesamt. Genau deshalb kaufe ich ihn nie zum Normalpreis. Sobald die Dose bei Aldi oder Lidl unter einen Euro rutscht — im Angebot waren es zuletzt 0,79 € — nehme ich sechs Stück mit. Das kostet einmalig knapp fünf Euro und deckt drei solche Abende ab. Konserven halten zwei Jahre, das ist kein Risiko, sondern nur ein bisschen Platz im Schrank.
Beim Rest bleibt wenig zu holen, und das ist der Punkt: Nudeln der Eigenmarke 0,79 € für 500 g, stückige Tomaten 0,55 €, TK-Erbsen im 450-g-Beutel 0,89 €. Beim Käse lohnt der Blick auf den Kilopreis. Der 250-g-Beutel Reibekäse kostet 1,79 €, ein Stück junger Gouda am Stück oft 6,90 € pro Kilo — selbst gerieben zahlst du also rund 1,73 € für dieselben 250 g und hast keine Verpackung mehr, aber zwei Minuten Arbeit.
Der Fehler wäre, hier Thunfischsteak oder eine der teuren Dosen mit Sonnenblumenöl und Kräutern zu kaufen. In einer Tomatensoße unter einer Käsedecke schmeckst du diesen Unterschied nicht — du bezahlst ihn nur. Und wer die Nudeln vorher komplett gar kocht, bekommt nach dem Backen matschige Nudeln. Zwei Minuten kürzer, das ist der ganze Trick.

Hast du auch so ein Fach im Schrank, aus dem im Notfall ein Abendessen kommt? Bei mir stehen dort immer Nudeln, Dosentomaten, Thunfisch und Mais — mehr braucht es nicht, um einen leeren Kühlschrank auszuhalten.
