Wann hattest du zuletzt eine Steckrübe in der Hand? Bei den meisten, die ich frage, ist die Antwort: nie. Und die anderen erzählen von ihrer Großmutter, meistens mit einem Gesichtsausdruck, der nichts Gutes verheißt.
Ich habe letzte Woche eine im Restekorb beim Rewe gefunden, so ein Netz mit Gemüse, das aussortiert wurde: 59 Cent für knapp zwei Kilo. Selbst regulär kostet das Ding im Winter selten mehr als einen Euro. Zwei Kilo Gemüse für einen Euro — dafür bekommst du sonst nicht mal eine Paprika.
Daraus wird ein Topf, der vier Leute satt macht und danach immer noch nicht leer ist. Ein Euro pro Portion, mit Speck. Die Saison läuft von Oktober bis in den März, danach wird es schwierig — deshalb notiere dir das Rezept jetzt und hol es im Herbst wieder raus.
Erst mal: Wie kriegt man das Ding auf?
Meine erste Steckrübe lag drei Wochen in der Vorratskiste neben der Waschmaschine. Ich bin jedes Mal daran vorbeigelaufen und habe gedacht: nicht heute. Sie war groß, wachsbeschichtet, oben lila und unten beige, und ich hatte ehrlich Angst, mir beim Schneiden in die Hand zu fahren.
Der Trick ist, sie gar nicht erst als Kugel zu behandeln. Schneide oben und unten eine dicke Scheibe ab, sodass sie flach und kippsicher auf dem Brett steht. Dann von oben nach unten in daumendicke Scheiben schneiden — dabei hebelt nichts weg. Erst danach die Schale von jeder Scheibe abschneiden und die Scheiben in Würfel teilen. Das dauert für die halbe Rübe keine sieben Minuten.
Die andere Hälfte wickle ich in Frischhaltefolie und lege sie ins Gemüsefach. Sie hält dort locker zwei Wochen, ohne weich zu werden. Für den zweiten Durchgang habe ich dann schon die halbe Arbeit erledigt.
Schritt für Schritt
- Zwiebeln schälen und würfeln. Steckrübe wie oben beschrieben schälen und in Würfel von etwa zwei Zentimetern schneiden. Möhren schälen und in Scheiben, Kartoffeln schälen und ebenfalls in grobe Würfel schneiden.
- Einen großen Topf ohne Fett heiß werden lassen und die Speckwürfel hineingeben. Bei mittlerer Hitze auslassen, bis sie am Rand knusprig werden — das dauert vier bis fünf Minuten und gibt genug Fett für alles Weitere.
- Etwa ein Drittel der Speckwürfel mit dem Löffel herausnehmen und beiseitestellen. Die kommen ganz zum Schluss als Krönung obendrauf.
- Die Zwiebeln zum restlichen Speck geben und glasig dünsten, zwei bis drei Minuten. Wenn kaum Fett ausgetreten ist, einen Teelöffel Öl dazugeben.
- Steckrübenwürfel und Möhrenscheiben dazugeben und fünf Minuten mitbraten. Ruhig ein paar Röststellen zulassen, das gibt dem Eintopf später Tiefe.
- Mit der heißen Brühe aufgießen, bis alles knapp bedeckt ist. Majoran, Pfeffer und eine Prise Muskat dazu. Deckel drauf, 15 Minuten leise köcheln lassen.
- Kartoffelwürfel dazugeben und weitere 15 bis 20 Minuten kochen, bis die Steckrübe wirklich weich ist. Probier ein Stück — sie braucht etwas länger als die Kartoffel und darf keinen festen Kern mehr haben.
- Mit dem Kartoffelstampfer drei-, viermal grob in den Topf drücken. Nicht pürieren. Ein Teil zerfällt und bindet die Brühe, der Rest bleibt in Stücken.
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Erst jetzt salzen, weil der Speck schon viel mitbringt. Petersilie und die knusprigen Speckwürfel darüber, fertig.

Wie schmeckt das überhaupt?
Milder, als der Ruf vermuten lässt. Steckrübe schmeckt leicht süßlich, ein bisschen wie eine kräftige Möhre mit Kohlnote. Meine Tochter hat beim ersten Teller gesagt, das schmecke „wie Möhre, nur dicker“, und damit trifft sie es ziemlich genau. Der Speck und der Majoran ziehen das Süßliche ins Herzhafte, deshalb würde ich beides nicht weglassen.
Dazu gibt es bei uns nichts weiter als Brot. Ein Kanten Graubrot, notfalls auch die harten Endstücke, kurz im Toaster aufgebacken. Wer möchte, stellt Senf oder Essiggurken auf den Tisch — mein Mann tut sich einen Klecks scharfen Senf an den Tellerrand, ich mag lieber ein paar Tropfen Essig darüber, das hebt das Süßliche noch mal an.
Am nächsten Tag ist der Topf noch besser, weil alles durchgezogen ist. Ich koche deshalb immer die volle Menge, auch wenn wir nur zu viert sind. Der Rest steht abgedeckt im Kühlschrank und wird am nächsten Abend aufgewärmt — mit einem Schuss Wasser, weil er über Nacht andickt.
Wo hier gespart wird
Der Trick an diesem Eintopf ist das Verhältnis: 2,29 € des Gesamtpreises stecken in Rübe, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln — also in gut zweieinhalb Kilo Gemüse. Der Speck kostet 1,29 € und ist der einzige „teure“ Posten, aber 200 g reichen für den ganzen Topf, weil er nur würzen muss und nicht sättigen.
Wenn du noch günstiger kochen willst, lass den Speck weg und nimm stattdessen zwei Teelöffel geräuchertes Paprikapulver und einen Löffel Öl. Dann liegst du bei knapp 70 Cent pro Portion. Umgekehrt kannst du für 1,49 € ein Glas Wiener Würstchen dazugeben, in Scheiben geschnitten und die letzten fünf Minuten mitgezogen — dann wird es ein Sonntagsessen.
Und ein Blick auf die Menge: Aus diesem Topf werden bei uns sechs randvolle Teller, nicht vier. Ich rechne trotzdem mit vier Portionen, weil die beiden übrigen am nächsten Tag als Mittagessen für mich und meinen Mann durchgehen. Rechnet man ehrlich mit sechs, liegt der Teller bei 67 Cent.
Der Fehler wäre, die Steckrübe durch etwas anderes zu ersetzen, weil man sie nicht kennt. Kohlrabi kostet das Vierfache pro Kilo und zerfällt beim langen Kochen. Und Fertigbrühe im Glas für 1,79 € brauchst du nicht — zwei Teelöffel Brühpulver in heißem Wasser tun hier exakt denselben Dienst.

Was noch in den Topf passt
Ein Stück Lauch, das übrig ist, kommt bei mir mit den Zwiebeln in den Topf. Eine Handvoll Erbsen aus der Truhe in den letzten fünf Minuten macht den Teller bunter. Und wer es sämiger mag, kocht eine mehligkochende Kartoffel mehr mit — die zerfällt von allein und bindet.
Ich mag es, dass dieses Gemüse so gar keine Ansprüche stellt. Es liegt wochenlang herum, kostet fast nichts und macht daraus einen Topf, für den ich mich nicht schämen muss, wenn Besuch mitisst. Ähnlich unaufgeregt funktionieren der Linseneintopf mit Wiener Würstchen und der Möhreneintopf, den auch Kinder auslöffeln. Alle weiteren stehen unter Klassische Eintöpfe.
