Halb sieben an einem warmen Samstagabend, das Küchenfenster steht offen, und auf dem Tisch liegt nur ein Brett mit Brot. Der Herd ist aus und war es den ganzen Nachmittag. Die große Schüssel kommt aus dem Kühlschrank, mein Sohn hebt schon den Deckel hoch, bevor sie richtig steht.
Kartoffelsalat mit Fleischwurst ist bei uns das Essen für Tage, an denen niemand Lust hat, am Herd zu stehen. Ich koche die Kartoffeln morgens, wenn die Küche noch kühl ist, mische alles zusammen und stelle die Schüssel weg. Abends muss nur noch der Deckel runter.
Fünf Euro und fünf Cent für vier Personen, mit einer ganzen Fleischwurst darin. Das ist weniger, als zwei Fertigsalate aus der Kühltheke kosten, und in meiner Schüssel ist doppelt so viel drin.
Das Grundrezept
- Ein Kilo festkochende Kartoffeln waschen und mit Schale in Salzwasser garen, etwa 20 bis 25 Minuten. Sie sollen sich mit dem Messer durchstechen lassen, aber nicht auseinanderfallen.
- Wasser abgießen und die Kartoffeln kurz ausdampfen lassen. Noch heiß pellen — mit einem Küchentuch in der Hand geht das, ohne sich die Finger zu verbrennen. Kalt pellen sich Kartoffeln deutlich schlechter.
- Die warmen Kartoffeln in Scheiben von einem halben Zentimeter schneiden und in eine große Schüssel geben.
- Vier Esslöffel vom Gurkenwasser aus dem Glas darübergießen, salzen, pfeffern und vorsichtig einmal durchheben. Zehn Minuten stehen lassen. Warme Kartoffeln saugen die Flüssigkeit auf, kalte nicht — das ist der wichtigste Handgriff im ganzen Rezept.
- Zwei Eier zehn Minuten hart kochen, kalt abschrecken, pellen und in Würfel schneiden.
- Gewürzgurken klein würfeln, Zwiebel schälen und fein hacken. Die Fleischwurst häuten und in Würfel von etwa einem Zentimeter schneiden.
- Mayonnaise, Joghurt und Senf mit zwei weiteren Esslöffeln Gurkenwasser glatt rühren. Eine Prise Zucker dazu, das rundet die Säure ab.
- Alles zu den Kartoffeln geben, die Soße darüber und mit einem großen Löffel von unten nach oben durchheben. Nicht rühren wie beim Teig, sonst wird es Brei.
- Abgedeckt mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank. Danach noch einmal abschmecken — kalt braucht der Salat fast immer mehr Salz, als man denkt.

Warum bei mir Mayonnaise und Joghurt zusammenkommen
Meine Mutter hat Kartoffelsalat immer mit heißer Brühe, Essig und Öl gemacht, so wie man es im Süden kennt. Mein Mann ist mit der Mayonnaise-Variante aufgewachsen und findet die Brühe-Version bis heute „nass“. Diese Diskussion hatten wir in den ersten Jahren regelmäßig, meistens vor Feiertagen.
Was wir daraus gemacht haben: halb Mayonnaise, halb Naturjoghurt. Der Salat wird cremig, aber nicht schwer, und er kostet weniger — 150 g Mayonnaise kosten 39 Cent, dieselbe Menge Joghurt 17. Das Gurkenwasser bringt die Säure, die sonst der Essig liefert. Seit acht Jahren gibt es keine Diskussion mehr.
Fünf Abwandlungen
- Mit Apfel. Ein säuerlicher Apfel, klein gewürfelt, unter den fertigen Salat. Kostet 25 Cent und macht ihn frischer — meine Version für heiße Tage.
- Ohne Wurst, dafür mit mehr Ei. Vier Eier statt zwei, dazu Schnittlauch. Der Salat kostet dann 95 Cent pro Portion statt 1,26 €.
- Mit Erbsen und Mais. Je eine kleine Dose abgetropft dazu, das macht den Teller bunt und ist bei Kindergeburtstagen die Version, die zuerst leer ist.
- Schwäbisch, ohne Mayonnaise. Statt Mayonnaise und Joghurt eine Tasse heiße Brühe, drei Esslöffel Essig, drei Esslöffel Öl über die warmen Kartoffelscheiben. Spart weitere 40 Cent und hält sich einen Tag länger.
- Mit Radieschen oder Gurke. Ein halbes Bund Radieschen in Scheiben oder eine halbe Salatgurke gewürfelt, kurz vor dem Servieren untergehoben. Nicht früher, sonst zieht Wasser in den Salat.

Wo hier gespart wird
Der teuerste Posten ist die Fleischwurst mit 1,69 € für den 400-g-Ring. Sie ist gleichzeitig das, was den Salat zum Abendessen macht statt zur Beilage. Bei Aldi und Lidl kostet der Ring meist zwischen 1,59 € und 1,89 €, an der Frischetheke im Supermarkt zahlst du für dieselbe Menge schnell 3 €. Ich kaufe zwei, wenn sie im Angebot sind — im Kühlschrank hält die ungeöffnete Wurst gut zwei Wochen.
Zweiter Punkt: festkochende Kartoffeln. Die kosten 1,29 € pro Kilo statt 1,20 € für vorwiegend festkochende, und dieser Aufpreis von neun Cent ist der einzige, den ich hier wirklich empfehle. Mit mehligkochenden Kartoffeln bekommst du keinen Salat, sondern Püree mit Wurst — das habe ich einmal gemacht und danach nie wieder.
Beim Rest lässt sich sparen: Mayonnaise in der Quetschflasche für 1,29 € statt Salatmayonnaise im Glas für 2,19 €, Gewürzgurken im 720-ml-Glas statt in der kleinen Dose, und das Gurkenwasser wegzuschütten wäre der eigentliche Fehler — es ersetzt Essig, Zucker und einen Teil der Würze.
Der Vergleich, der mich überzeugt hat: Fertiger Kartoffelsalat aus der Kühltheke kostet 400 g für 1,99 €. Für vier Personen bräuchte ich zwei Packungen, also 3,98 € — und Wurst wäre keine drin. Mein Salat kostet mit Wurst 5,05 € und ergibt fast das Doppelte.

Vorbereiten und aufheben
Der Salat wird besser, wenn er steht. Ich mache ihn morgens vor der Arbeit, zwei Stunden Kühlschrank sind das Minimum, über Nacht ist noch besser. Er hält abgedeckt zwei Tage, danach werden die Kartoffeln weich. Was ich nicht mache: ihn einfrieren — die Kartoffeln kommen matschig wieder heraus.
Was bei uns am Tisch passiert
Meine Tochter fischt die Gewürzgurken heraus und legt sie an den Tellerrand, mein Sohn isst zuerst alle Wurstwürfel und danach den Rest. Ich habe irgendwann aufgehört, mich darüber zu ärgern, und schneide beides seitdem kleiner — so klein, dass sich nichts mehr herausfischen lässt. Seitdem ist der Teller in zehn Minuten leer.
Wenn du es einmal anders probieren willst: Röste eine Scheibe Brot in der Pfanne, würfle sie und streu sie kurz vor dem Essen über den Salat. Das gibt Biss, kostet nichts und verwertet den Kanten aus dem Brotkasten. Weitere Ideen mit der günstigsten Knolle im Laden findest du unter Kartoffelgerichte, und wenn es doch warm sein soll, steht die Kartoffelsuppe mit Würstchen als Nächstes auf der Liste.
