Im Brotkasten liegen bei uns donnerstags immer zwei, drei harte Endstücke. Zum Streichen sind sie zu bröselig, die Kinder rühren sie nicht an, und weggeworfen wird bei mir kein Brot. Aus genau diesen Enden wird das, was aus dieser Suppe überhaupt erst ein Abendessen macht.
Die Suppe ist der einfache Teil: zwei Dosen gehackte Tomaten, Zwiebel, Knoblauch, Brühe, ein Schuss Sahne. Fünfzehn Minuten, davon zehn ohne mein Zutun. Das Röstbrot läuft nebenher in der zweiten Pfanne und ist fertig, wenn die Suppe püriert ist.
Beim ersten Mal habe ich die Brotwürfel schon am Nachmittag geröstet, weil ich dachte, abends geht es dann schneller. Bis um sechs waren sie zäh und schmeckten nach altem Öl. Seitdem kommen sie in den letzten fünf Minuten in die Pfanne, keine Sekunde früher. Mein Großer nennt das Ganze inzwischen „Suppe mit Knusperwürfeln“ und zählt vorher ab, wie viele er bekommt.
Warum Dosentomaten und nicht die frischen
Im März kostet eine Schale Rispentomaten bei Aldi um die 2,50 €, und sie schmeckt nach ungefähr nichts. Eine 400-g-Dose gehackte Tomaten liegt bei 55 Cent und ist im Sommer geerntet worden, als die Tomaten reif waren. Für eine Suppe, die ohnehin gekocht und püriert wird, ist die Dose nicht der Kompromiss, sondern die bessere Wahl.
Ich nehme gehackte Tomaten, keine passierten. Passierte sind dünner, die Suppe wird davon wässrig und schmeckt säuerlich. Gehackte haben Fruchtfleisch, das beim Pürieren Körper gibt. Wenn es die gehackten gerade nicht gibt, tun es ganze geschälte Tomaten aus der Dose genauso — die zerfallen beim Köcheln von allein.

Schritt für Schritt
- Zwiebeln in feine Würfel schneiden, Knoblauch hacken, die Möhre grob raspeln. Die Möhre ist kein Zufall: Sie nimmt der Suppe die Säure, ohne dass ich Zucker nachschütten muss.
- Zwei Esslöffel Öl in einem hohen Topf erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch und Möhre bei mittlerer Hitze drei bis vier Minuten anschwitzen, bis die Zwiebeln glasig sind. Sie sollen keine Farbe bekommen, sonst wird die Suppe bitter.
- Das Tomatenmark dazugeben und eine Minute mitrösten, dabei ständig rühren. Dieser Schritt sieht nach nichts aus und macht trotzdem den größten Unterschied — geröstetes Tomatenmark schmeckt tief und rund, ungeröstetes schmeckt nach Dose.
- Beide Dosen Tomaten dazu, die Brühe angießen, mit Salz, Pfeffer und Oregano würzen. Aufkochen lassen, dann Deckel schräg auflegen und zehn Minuten leise köcheln.
- Jetzt das Brot: Die Rinden nicht abschneiden, das Brot in Würfel von etwa anderthalb Zentimetern schneiden. Zu klein geschnitten verbrennen sie, zu groß bleiben sie innen weich.
- Drei Esslöffel Öl in einer Pfanne heiß werden lassen, die Würfel hineingeben und bei mittlerer Hitze fünf bis sechs Minuten rösten. Alle halbe Minute einmal durchschwenken. Wenn sie rundum goldbraun sind, sofort auf einen Teller kippen — in der heißen Pfanne rösten sie sonst weiter und werden bitter.
- Die Suppe mit dem Pürierstab glatt mixen. Wer keinen hat, drückt sie durch ein Sieb oder lässt sie stückig, das schmeckt genauso.
- Topf vom Herd ziehen, die Sahne einrühren. Noch einmal abschmecken: Meistens braucht die Suppe jetzt eine kräftige Prise Salz und einen halben Teelöffel Zucker. Wenn sie zu dick ist, kommt heißes Wasser dazu, esslöffelweise.
- In Teller füllen, das Röstbrot erst am Tisch darüberstreuen. Wer es vorher hineinrührt, hat weiche Krümel statt Knusperwürfel.

Das Röstbrot ist kein Beiwerk
Ohne die Würfel ist das hier eine Vorspeise, mit ihnen ein Abendessen. 300 g altbackenes Brot ergeben eine große Schüssel voll, und die verschwindet bei uns zu vier Personen restlos. Ich sammle die Endstücke in einer Papiertüte auf dem Küchenschrank, nicht in der Plastiktüte — dort schimmeln sie nach drei Tagen.
Graubrot und Mischbrot funktionieren am besten, Toastbrot wird schnell fettig und schmeckt nach nichts. Ein trockenes Brötchen vom Wochenende geht auch. Wenn das Brot steinhart ist, sprenkle ich vor dem Rösten ein paar Tropfen Wasser über die Würfel und schwenke sie durch — dann bleiben sie innen weich und werden außen knusprig.
Gewürzt wird das Brot direkt in der Pfanne: Salz, Pfeffer und ein halber Teelöffel Paprikapulver, kurz bevor ich es herausnehme. Kommt das Paprikapulver zu früh dazu, verbrennt es und wird bitter. Wer will, reibt eine halbe Knoblauchzehe über die noch warmen Würfel.
Wo genau das Geld gespart wird
Die ganze Suppe kostet keine 3,50 € für vier Teller, also unter 90 Cent pro Portion. Der größte Posten ist die Sahne mit 79 Cent — und genau da lässt sich noch drehen. Statt 150 ml Sahne kannst du 150 ml Milch nehmen und einen Esslöffel Mehl mit anschwitzen. Die Suppe wird dann etwas heller und weniger samtig, spart aber 60 Cent. Ich mache das immer dann, wenn kein Becher Sahne im Kühlschrank steht und ich dafür nicht extra losfahre.
Der zweite Punkt: das Brot. 300 g altbackenes Brot sind rechnerisch 60 Cent, praktisch aber null, weil sie sonst im Müll gelandet wären. Eine fertige Croûton-Tüte mit 100 g kostet je nach Marke zwischen 1,20 € und 1,80 €. Für dieselbe Menge selbst geröstet zahle ich ungefähr 40 Cent Öl.
Und was ich nicht kaufe: Fertige Tomatensuppe im Tetrapak liegt bei etwa 1,60 € für 500 ml, das reicht für zwei kleine Teller. Vier große Teller aus dem Karton kosten also gut 6 €, das Doppelte. Weitere Gerichte in dieser Größenordnung stehen bei mir unter den schnellen Küchen — alles, was in einer halben Stunde auf dem Tisch steht.

Was du austauschen kannst
- Keine Sahne im Haus. Zwei Esslöffel Schmand oder Frischkäse tun es auch. Beides erst am Ende einrühren, wenn der Topf nicht mehr kocht.
- Mehr Sättigung. Eine Handvoll Reis mit den Tomaten mitkochen. Dann bist du bei der Tomatensuppe mit Reis, die noch etwas länger vorhält.
- Kein frischer Knoblauch. Ein halber Teelöffel Knoblauchgranulat kommt zum Tomatenmark in den Topf.
- Kräuter. Getrockneter Oregano oder Thymian aus der Tüte reichen völlig. Frisches Basilikum ist im März teuer und hat in einer gekochten Suppe wenig zu melden.
- Noch mehr altes Brot. Wenn du einen ganzen Laib übrig hast, lohnt sich die Brotsuppe aus hartem Brot, bei der das Brot nicht obendrauf kommt, sondern die Suppe selbst ist.
Wenn etwas übrig bleibt
Die Suppe hält sich drei Tage im Kühlschrank und schmeckt am zweiten Tag runder als am ersten. Das Röstbrot kommt nie mit in die Dose — die Reste davon lege ich in eine offene Schüssel, sie bleiben über Nacht knusprig und wandern am nächsten Tag über einen Salat.
Falls du eine halbe Portion Suppe übrig hast und niemand mehr Suppe sehen will: Ein Schuss davon in die Nudelsauce am nächsten Abend, und keiner fragt nach.
