Jahrelang habe ich getrocknete Erbsen am Vorabend eingeweicht, weil ich dachte, das müsse so sein. Schüssel raus, Wasser drauf, über Nacht stehen lassen — und wenn ich es vergessen hatte, gab es eben etwas anderes. Bis meine Schwiegermutter beim Zusehen fragte, warum ich das eigentlich mache. Schälerbsen sind geschält und halbiert. Sie brauchen kein Einweichen. Sie kochen in 50 Minuten von allein weich und zerfallen dabei zu einer sämigen Masse.
Seitdem ist Erbseneintopf bei uns ein Gericht, über das ich nicht am Tag vorher nachdenken muss. Eine 500-Gramm-Packung Schälerbsen kostet 1,29 €. Daraus wird mit Kartoffeln, Möhren, Lauch, Zwiebel und einer Mettwurst ein Topf für vier große Teller — 5,54 € insgesamt, 1,39 € pro Portion. Und der Topf bindet ganz ohne Mehl, Sahne oder Soßenbinder, weil die Erbsen das selbst erledigen.
Meine Oma hatte dafür einen emaillierten Topf, der so groß war, dass er auf zwei Platten stand. Meiner ist kleiner, aber das Prinzip ist geblieben: einmal kochen, zweimal essen. Am zweiten Tag ist der Eintopf dicker und schmeckt deutlich kräftiger.

Warum es Schälerbsen sein müssen
Im Regal beim Discounter liegen zwei Sorten nebeneinander: grüne Schälerbsen und ganze Erbsen mit Schale. Sie kosten fast dasselbe, verhalten sich aber völlig unterschiedlich. Ganze Erbsen behalten ihre Form und brauchen Einweichzeit. Schälerbsen sind bereits geschält und zerfallen beim Kochen — genau das brauchst du, damit der Eintopf sämig wird.
Umgerechnet kostet die Portion Erbsen 32 Cent. Das ist der Grund, warum dieses Essen so günstig ist: Der Sattmacher im Topf ist die billigste Zutat, und das Fleisch ist nur Beigabe. Wenn du das Prinzip magst, findest du es auch beim Linseneintopf mit Kartoffeln und Wiener Würstchen wieder.
Schritt für Schritt
- Die Schälerbsen in ein Sieb geben und unter kaltem Wasser kurz abspülen, bis das Wasser klar durchläuft. Einweichen ist nicht nötig.
- Zwiebel schälen und würfeln. Möhren schälen und in halbe Scheiben schneiden. Den Lauch längs aufschneiden, gründlich waschen und in Ringe schneiden. Kartoffeln schälen und in Würfel von etwa zwei Zentimetern schneiden.
- Einen Esslöffel Öl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebelwürfel darin bei mittlerer Hitze fünf Minuten glasig dünsten, dann Möhren und Lauch dazugeben und drei Minuten mitbraten.
- Die Erbsen in den Topf geben, mit zwei Litern Brühe aufgießen und ein Lorbeerblatt hineinlegen. Aufkochen lassen und dabei den Schaum abschöpfen, der sich an der Oberfläche bildet.
- Hitze reduzieren und den Topf halb zugedeckt 40 Minuten leise köcheln lassen. Alle zehn Minuten umrühren, denn Erbsen setzen gern am Boden an.
- Jetzt erst die Kartoffelwürfel dazugeben und weitere 20 Minuten kochen, bis die Erbsen zerfallen sind und die Kartoffeln weich.
- Die Mettwurst in dicke Scheiben schneiden und in den letzten zehn Minuten in den Topf legen, damit sie heiß wird, ohne auszulaugen.
- Zum Schluss mit Salz, Pfeffer und Majoran abschmecken. Das Lorbeerblatt herausnehmen. Wenn der Eintopf zu dick geworden ist, kommt heißes Wasser dazu; ist er zu dünn, lässt du ihn zehn Minuten ohne Deckel weiterköcheln.

Salz kommt erst am Ende
Das ist der Punkt, an dem ich mir einmal einen ganzen Abend ruiniert habe. Ich hatte die Brühe kräftig gesalzen, bevor die Erbsen hineinkamen, und nach zwei Stunden schwammen sie immer noch als kleine harte Scheiben im Topf. Salz und auch Säure — also Essig oder Tomaten — verhindern, dass Hülsenfrüchte weich werden. Wir haben an dem Abend Brot mit Wurst gegessen, und ich habe den Topf am nächsten Tag noch einmal eine Stunde gekocht, bis endlich Ruhe war.
Seitdem gilt bei mir: Brühwürfel ja, zusätzliches Salz erst, wenn die Erbsen zerfallen sind. Dasselbe gilt für die Kartoffeln. Wenn sie von Anfang an mitkochen, sind sie nach 60 Minuten zu Brei zerfallen und du hast keine Stücke mehr im Teller. Zwanzig Minuten reichen ihnen völlig.
Was die Wurst angeht
Eine Mettwurst für 1,99 € ist bei mir der teuerste Posten und macht mehr als ein Drittel der Kosten aus. Sie muss aber nicht sein. Mit einem Stück durchwachsenem Speck für 80 Cent, das von Anfang an mitkocht, bekommst du fast denselben rauchigen Geschmack für die Hälfte. Und wer im Angebot vier Wiener Würstchen für 1,49 € findet, nimmt eben die.
Bei uns wird der Eintopf mit Wurstscheiben und einer Scheibe Brot gegessen. Meine Tochter mag ihn nur, wenn ich ihre Portion vorher mit dem Kartoffelstampfer glatt drücke — Stücke im Löffel sind bei ihr seit dem Kindergarten ein Problem. Der Große dagegen fischt sich die Wurst heraus und isst sie zuerst. Beide werden satt, und das ist mir wichtiger als Tischsitten.

Wo genau gespart wird
Der Eintopf ist deshalb so günstig, weil er fast nur aus Lagergemüse besteht. Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und getrocknete Hülsenfrüchte gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die im Discounter das ganze Jahr über etwa gleich viel kosten. Ein Kilo Kartoffeln liegt bei 1,20 €, ein Kilo Möhren bei etwa einem Euro. Da gibt es keine Saison, in der es teuer wird.
Der zweite Sparposten ist die Menge. Ich koche grundsätzlich den doppelten Topf, wenn ich schon dabei bin, denn Lauch putzen und Kartoffeln schälen dauert für acht Portionen kaum länger als für vier. Die zweite Hälfte kommt in zwei Schraubgläser und hält sich drei Tage im Kühlschrank. Damit ist ein weiterer Abend erledigt, an dem ich sonst um halb sechs ratlos vor dem Kühlschrank stünde.
Der Fehler wäre, zur Dose zu greifen. Fertiger Erbseneintopf im Glas kostet 1,79 bis 2,49 € für 800 g, also für gut zwei Portionen. Das ist ungefähr das Doppelte, und die Wurstscheiben darin kannst du zählen. Wer lieber Bohnen mag, findet dieselbe Rechnung beim Grüne-Bohnen-Eintopf mit Mettwurst, und alle weiteren Töpfe dieser Art stehen unter Klassische Eintöpfe.
Wenn du am dritten Tag noch einen Rest hast, der zu dick zum Löffeln geworden ist: mit heißem Wasser aufgießen, eine kleingeschnittene Kartoffel dazu, zehn Minuten kochen — dann ist es wieder Suppe. Weggeworfen wird bei uns von diesem Topf nichts.
