Jahrelang habe ich Kartoffeln im 1,5-kg-Beutel gekauft. Der Sack mit 2,5 kg stand direkt daneben, aber ich dachte, so viele Kartoffeln bekommen wir nie weg, die keimen mir doch nur im Vorratsschrank. Dann habe ich irgendwann die Schilder verglichen: 1,89 € für den Sack, 1,49 € für den Beutel. Das sind 76 Cent pro Kilo gegen 99 Cent. Ich habe also über Jahre freiwillig ein Viertel mehr bezahlt, aus Angst vor Keimen.
Heute kommt der Sack in den Wagen, und daraus werden drei Töpfe Kartoffelsuppe. Ein Topf reicht bei uns für vier Personen, kostet 4,13 € und damit 1,03 € pro Teller. Mit Wiener Würstchen drin, nicht ohne. Gekeimt ist mir seitdem nichts, weil der Sack in der dunklen Ecke neben der Waschmaschine steht und nicht in der Küche.

Das Grundrezept
Kartoffeln, Möhren, Lauch, Zwiebel, Brühe. Ein Teil der Suppe wird püriert, damit sie sämig wird, der Rest bleibt in Stücken. Genau diese Mischung ist der Punkt: Eine komplett pürierte Kartoffelsuppe schmeckt wie Babybrei, eine komplett stückige wie dünner Eintopf. Zusammen ergibt beides eine Suppe, die man löffeln kann und die trotzdem etwas zum Beißen hat.
- 1,2 kg Kartoffeln schälen und in etwa zwei Zentimeter große Würfel schneiden. Drei Möhren schälen und in Scheiben schneiden. Eine Stange Lauch längs halbieren, gründlich waschen und in Halbringe schneiden. Eine Zwiebel fein würfeln.
- Etwas Öl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebel und Lauch darin bei mittlerer Hitze fünf Minuten dünsten, bis der Lauch weich wird. Nicht braun werden lassen, sonst wird die Suppe bitter.
- Kartoffeln und Möhren dazugeben, kurz mitdünsten und mit 1,5 l Gemüsebrühe aufgießen. Die Kartoffeln sollen knapp bedeckt sein.
- Zugedeckt 20 bis 25 Minuten leise köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind. Mit einer Gabel an einem Stück testen: Es soll auseinanderfallen, wenn man leicht drückt.
- Etwa ein Drittel der Suppe mit dem Pürierstab direkt im Topf pürieren. Ich halte den Stab dafür schräg an eine Stelle und lasse den Rest in Ruhe. 100 ml Milch einrühren.
- Mit Salz, Pfeffer, einer Prise Muskat und Majoran abschmecken. Majoran ist bei Kartoffelsuppe kein Beiwerk, sondern das, was sie nach Kartoffelsuppe schmecken lässt.
- Sechs Wiener Würstchen in Scheiben schneiden und erst zum Schluss in die heiße Suppe geben. Bei ausgeschaltetem Herd fünf Minuten ziehen lassen — kochen darf man sie nicht, sonst platzt die Pelle und sie werden mehlig.
Varianten aus demselben Topf
- Ohne Würstchen, vegetarisch: Statt der Wiener zwei Handvoll Croutons aus altbackenem Brot in der Pfanne mit etwas Öl rösten. Kostet fast nichts und macht die Suppe 1,49 € günstiger.
- Mit Speck: 100 g Speckwürfel im Topf auslassen, bevor die Zwiebel hineinkommt. Das Fett bleibt in der Suppe, der Speck kommt als Topping obendrauf. Etwas herzhafter, etwas teurer.
- Mit mehr Gemüse: Eine halbe Sellerieknolle oder eine Petersilienwurzel mit den Möhren mitkochen. Wenn ich ein Bund Suppengrün für 99 Cent im Wagen habe, wandert es komplett hier hinein.
- Sämiger ohne Milch: Zwei Kartoffeln mehr nehmen und stattdessen etwas mehr pürieren. Die Stärke der Kartoffel bindet von allein, Milch oder Sahne braucht diese Suppe nicht.
- Als Eintopf für zwei Abende: Die doppelte Menge kochen, aber die Würstchen nur in die Hälfte geben. Am zweiten Tag ist die Suppe dicker; ein Schuss Wasser beim Aufwärmen genügt. Wer es kräftiger mag, macht daraus mit Linsen einen Linseneintopf mit Kartoffeln und Wiener Würstchen.
Wo genau das Geld bleibt
Die Würstchen sind mit 1,49 € für ein Glas mit sechs Stück der größte Posten, das ganze Gemüse zusammen kostet weniger. Deshalb schneide ich sie in Scheiben und rühre sie unter, statt jedem ein ganzes Würstchen auf den Tellerrand zu legen. In Scheiben sind sechs Würstchen für vier Teller reichlich; ganz serviert würden acht gebraucht, und schon wären es 2,00 € statt 1,49 €.
Der Lauch ist der zweite Posten, den man beobachten sollte. 79 Cent für eine Stange sind in Ordnung, im Frühjahr habe ich aber auch schon 1,49 € gesehen. Dann lasse ich ihn weg und nehme eine zweite Zwiebel — die Suppe wird etwas milder, das war es aber auch. Was ich nie mache: das dunkelgrüne Ende wegwerfen. Es wird beim Kochen weich und schmeckt kräftiger als der weiße Teil, man muss es nur gründlich waschen, weil dort der Sand sitzt.
Der Fehler wäre, die Brühe zu sparsam zu würzen und am Ende mit Sahne zu retten. Eine Kartoffelsuppe, die fad schmeckt, braucht Salz, Majoran und Muskat, keine Sahne für 89 Cent. Ich habe das früher andersherum gemacht und mich gewundert, warum das Ergebnis teuer und trotzdem langweilig war. Ähnlich einfach gerechnet ist die Möhren-Kartoffel-Suppe mit Würstchen, falls du noch Möhren übrig hast. Mehr aus dem Kartoffelsack findest du in der Kategorie Kartoffelgerichte.
Bleibt die Frage, die bei uns am Tisch regelmäßig für Diskussionen sorgt: Würstchen mitkochen oder erst am Ende hineingeben? Ich bin im Team „ganz zum Schluss“. Wie hältst du es?
