Wann hast du zuletzt einen ganzen Kohlkopf gekauft? Nicht die halbierte Portion in Folie, sondern einen kompletten Kopf, anderthalb Kilo schwer, für 99 Cent?
Ich mache das jede zweite Woche im Winter, und daraus wird bei uns Krautfleisch: Weißkohl, 400 g Hackfleisch, Kartoffeln, Tomatenmark, Kümmel. Ein Topf, in dem alles nacheinander landet, ohne zweiten Kochtopf und ohne Beilage. 1,33 € pro Portion, und der Topf ist so voll, dass am nächsten Tag noch etwas übrig ist.

Das Prinzip in drei Sätzen
Das Hackfleisch wird kräftig braun gebraten, weil daher der ganze Geschmack kommt. Der Kohl kommt in Streifen dazu und wird nicht knackig gebraten, sondern lange geschmort, bis er weich und leicht süßlich ist. Die Kartoffelwürfel garen mit und machen aus dem Gemüsegericht ein volles Abendessen.
Zubereitung
- Den Kohlkopf vierteln, den harten Strunk herausschneiden und die Viertel quer in etwa einen halben Zentimeter breite Streifen schneiden. Das dauert zehn Minuten und ist die einzige richtige Arbeit an diesem Gericht.
- Die Kartoffeln schälen und in Würfel von etwa 1,5 cm schneiden, die Zwiebeln würfeln.
- Öl in einem großen Topf erhitzen und das Hackfleisch bei hoher Hitze krümelig anbraten, bis es wirklich braun ist — nicht grau. Das dauert gut sechs Minuten und ist der wichtigste Schritt.
- Die Zwiebelwürfel zugeben, zwei Minuten mitbraten, dann das Tomatenmark einrühren und kurz mitrösten, bis es dunkler wird und süßlich riecht.
- Kohlstreifen und Kartoffelwürfel dazugeben. Salz, Pfeffer, 1 TL Paprikapulver, 1 TL zerdrückter Kümmel und 1 Lorbeerblatt darüber, kräftig durchrühren. Der Topf ist jetzt bis zum Rand voll — der Kohl fällt in den ersten Minuten deutlich zusammen.
- Die Brühe angießen, Deckel drauf und bei mittlerer Hitze 30 Minuten schmoren lassen. Zweimal umrühren zwischendurch.
- Deckel abnehmen, Lorbeerblatt herausfischen und die Flüssigkeit fünf Minuten offen einkochen lassen, bis es sämig ist. Abschmecken — meistens fehlt noch Salz und ein Spritzer Essig.

Mein Einkaufstrick beim Kohl
Weißkohl wird fast überall pro Stück verkauft, nicht pro Kilo. Das heißt: Der Preis ist derselbe, egal wie schwer der Kopf ist. Ich hebe deshalb drei oder vier Köpfe an und nehme den schwersten. Zwischen dem leichtesten und dem schwersten Kopf in der Kiste liegen locker 500 g — für dieselben 99 Cent.
Woran man einen guten Kopf erkennt: Er fühlt sich fest an, die äußeren Blätter sitzen eng an und die Schnittfläche am Strunk ist hell, nicht braun und ausgetrocknet. Ganz gelassen halten sich solche Köpfe bei mir vier Wochen im kühlen Flur.
Wo gespart wird
Das Hackfleisch ist mit 2,88 € von 5,31 € der Löwenanteil. Alles andere zusammen — der ganze Kohlkopf, 600 g Kartoffeln, zwei Zwiebeln, Tomatenmark, Brühe und Gewürze — kostet 2,43 €. Deshalb bleibt es bei 400 g Fleisch, obwohl die 500-g-Packung im Regal daneben nur einen Euro mehr kostet.
Kohl kaufe ich zwischen Oktober und März, dann kostet er am wenigsten. Fertig geschnittener Weißkohl im Beutel ist die teuerste Variante: 500 g kosten so viel wie ein ganzer Kopf, sind trockener und schmoren schlechter. Die zehn Minuten Schneiden lohnen sich hier tatsächlich in Euro.
Was auch geht, wenn gerade kein Hackfleisch da ist: 200 g Fleischwurst oder Mettenden in Würfeln. Das kostet etwa 1,20 €, bringt Rauchgeschmack mit und drückt die Portion auf unter einen Euro.

Varianten in Kurzform
- Ohne Kartoffeln: Statt der Würfel gibt es Salzkartoffeln oder Brot dazu. Der Topf wird dann etwas kräftiger im Geschmack.
- Cremiger: Zum Schluss 200 g Schmand unterrühren und nicht mehr kochen lassen. Kostet 69 Cent extra, überzeugt aber Kinder, die es milder mögen.
- Ungarisch angehaucht: Doppelte Menge Paprikapulver, dazu eine gewürfelte Paprika. Passt gut zum Tomatenmark.
- Für den zweiten Abend: Reste in eine Auflaufform, Käse darüber, 15 Minuten in den Ofen. Schmeckt wie ein neues Gericht.
Nach dem Kochen
Krautfleisch schmeckt aufgewärmt besser als frisch, weil der Kohl über Nacht noch weicher wird und den Sud aufnimmt. Ich stelle den Topf abgekühlt in den Kühlschrank und wärme ihn am nächsten Tag mit einem Schluck Wasser wieder auf. Einfrieren geht auch, dann werden die Kartoffeln allerdings mehlig.
Wenn vom Kohlkopf noch etwas übrig ist, wandert der Rest bei uns in die Weißkohl-Hackpfanne aus dem halben Kohlkopf oder in Krautfleckerl mit Nudeln, die ganz ohne Fleisch auskommen. Beide stehen zusammen mit anderen großen Töpfen bei den klassischen Eintöpfen.
Eine Frage habe ich noch an dich: Kümmel — ja oder nein? Bei mir am Tisch ist das die einzige Zutat, über die wirklich gestritten wird. Ich bleibe dabei, weil Kohl ohne Kümmel für mich nach nichts schmeckt. Mein Mann sieht das anders und fischt bis heute nach den Körnern, die es nicht mehr gibt.
