Kurz vor sechs, Kühlschranktür auf: ein Rest Butter, die Milchflasche, sechs Eier. Im Gemüsefach nichts, was noch als Gemüse durchgehen würde. Dafür liegt im Gefrierfach ein Beutel Rahmspinat, den ich für 89 Cent gekauft habe, weil er günstig war, und im Korb daneben warten anderthalb Kilo mehligkochende Kartoffeln.
Genau daraus besteht dieses Abendessen: Kartoffelbrei, Spinat, pro Person ein Spiegelei. Drei Bausteine, die einzeln nach nichts aussehen und zusammen einen Teller ergeben, nach dem hier niemand mehr fragt, wann es noch was gibt. 4,12 € für vier Personen, also gut ein Euro pro Teller, und Fleisch kommt keins vor.
Weitere Ideen aus dem Kartoffelkorb sammle ich unter Kartoffelgerichte. Dieses hier koche ich, wenn ich donnerstags nicht mehr einkaufen war.
Wie das Gericht bei uns gelandet ist
Meine Schwiegermutter hat es zum ersten Mal gekocht, als wir mit den Kindern über Nacht bei ihr waren und sie am Morgen sagte, sie habe „nichts im Haus“. Zwanzig Minuten später standen vier Teller auf dem Tisch: ein Berg Brei, eine grüne Kuhle darin, obendrauf ein Ei mit flüssigem Dotter. Sie nannte es „Grünes Nest“, und der Name hat es bis nach Dortmund geschafft.
Bei uns gibt es das seitdem alle zwei bis drei Wochen, meistens montags oder donnerstags. Der Brei wird von Hand gestampft, der Spinat kommt aus dem Beutel, und die Eier brutzeln in der Pfanne, während der Tisch gedeckt wird — vorbereiten muss ich dafür nichts.

Der Brei entscheidet alles
Es gibt genau zwei Regeln, und die erste heißt: mehligkochende Kartoffeln. Auf der Tüte steht das drauf, meistens mit rotem Punkt. Die zerfallen beim Kochen von selbst und lassen sich mit dem Stampfer in dreißig Sekunden zu einer lockeren Masse verarbeiten. Festkochende bleiben stückig, und wer sie mit Gewalt kleinbekommt, hat am Ende Kleister.
Die zweite Regel: Die Milch muss warm sein. Kalte Milch in heiße Kartoffeln gegossen zieht die Temperatur runter, der Brei wird zäh und klumpt. Ich stelle den Milchtopf einfach neben die Kartoffeln auf die Platte. Und den Pürierstab lasse ich in der Schublade — der schlägt die Stärke so auf, dass aus dem Brei Tapetenkleister wird. Stampfer oder Kartoffelpresse, nichts anderes.
So koche ich es
- Kartoffeln aufsetzen. 1,2 kg mehligkochende Kartoffeln schälen, in gleich große Stücke schneiden, in einen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken. Kräftig salzen — ein gestrichener Esslöffel auf den Topf. 20 bis 25 Minuten kochen, bis ein Messer ohne Widerstand durchgeht.
- Spinat auftauen. Den Rahmspinat aus dem Beutel in einen kleinen Topf geben, zwei Esslöffel Wasser dazu, Deckel drauf, bei kleiner Hitze 10 bis 12 Minuten ziehen lassen. Zwischendurch umrühren. Am Schluss mit Salz, Pfeffer und einer Prise geriebener Muskatnuss abschmecken.
- Milch erwärmen. 250 ml Milch mit 30 g Butter in einem kleinen Topf erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist. Nicht kochen lassen.
- Stampfen. Kartoffeln abgießen, zwei Kellen Kochwasser aufheben. Die Kartoffeln zurück in den heißen Topf, eine halbe Minute ohne Deckel ausdampfen lassen, dann mit dem Stampfer zerdrücken. Die warme Milch-Butter-Mischung in zwei Schüben angießen und unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
- Zwiebel anbraten. Eine Zwiebel in feine Ringe schneiden und in einer Pfanne mit einem Esslöffel Öl bei mittlerer Hitze goldbraun braten, etwa fünf Minuten. Herausnehmen und zur Seite stellen.
- Spiegeleier braten. In derselben Pfanne einen weiteren Esslöffel Öl erhitzen, Hitze auf mittlere Stufe zurückdrehen. Die vier Eier einzeln aufschlagen und nebeneinander hineingleiten lassen. Drei bis vier Minuten braten, bis das Eiweiß fest und der Rand leicht knusprig ist. Erst am Ende salzen, sonst bekommt das Eigelb weiße Flecken.
- Anrichten. Auf jeden Teller einen Berg Brei, mit dem Löffelrücken eine Mulde hineindrücken, den Spinat hineinfüllen, das Spiegelei obendrauf und die Röstzwiebeln darüber. Fertig.
Das Spiegelei ist die Sauce
Wer das Gericht zum ersten Mal sieht, denkt, da fehlt etwas. Tut es nicht — das flüssige Eigelb übernimmt die Rolle der Sauce. Sobald die Kinder mit der Gabel hineinpieksen, läuft es über den Brei und in den Spinat, und genau darauf warten sie. Deshalb die Eier lieber eine Minute zu kurz braten als eine zu lang. Ein durchgebratenes Eigelb macht den Teller trocken.
Meine Kleine, sechs, hat lange behauptet, sie esse keinen Spinat. Sie hat ihn auf dem Teller weggeschoben, bis nur noch ein grüner Rand übrig war. Bis sie einmal beim Essen zugeschaut hat, wie das Eigelb in die Kuhle läuft, und gefragt hat, ob das jetzt „grüne Sauce“ sei. Ich habe ja gesagt. Seitdem isst sie die Kuhle leer, und ich habe nicht vor, das Thema irgendwann richtigzustellen.

Wo gespart wird
Der komplette Einkauf für vier Teller: 1,2 kg mehligkochende Kartoffeln 1,45 €, ein Beutel Rahmspinat 89 Cent, vier Eier 92 Cent, 250 ml Milch 29 Cent, 30 g Butter 25 Cent, eine Zwiebel 12 Cent, Öl und Gewürze zusammen 20 Cent. Macht 4,12 €, also 1,03 € pro Person.
Die Kartoffeln sind der Punkt, an dem sich am meisten bewegen lässt. Der 2,5-kg-Sack kostet bei Aldi selten mehr als 3 €, die 1-kg-Tüte fast immer anteilig mehr. Ich kaufe grundsätzlich den Sack und lagere ihn dunkel und kühl in einer Kiste im Flur, nie im Kühlschrank und nie in der Plastiktüte, in der er gekauft wurde — darin schwitzen sie und werden weich.
Beim Spinat lohnt der Vergleich zwischen Rahmspinat und normalem Blattspinat. Der Rahmspinat kostet für 450 g etwa 89 Cent und ist fertig gewürzt. Blattspinat ohne Rahm liegt bei rund 79 Cent für 450 g; dann brauchst du aber noch einen Löffel Schmand oder Frischkäse und Salz, und du bist beim gleichen Preis mit mehr Arbeit. Frischer Spinat kostet für 200 g über zwei Euro und fällt beim Garen auf eine Handvoll zusammen — für vier Personen keine sinnvolle Rechnung.
Was ich nicht ersetzen würde, ist die Butter im Brei. 30 Gramm klingen nach wenig und machen den ganzen Unterschied zwischen „Kartoffelbrei“ und „Kartoffelbrei, von dem alle nachnehmen“. Margarine geht zur Not, schmeckt aber flacher. Der Fehler wäre dagegen, Sahne statt Milch zu nehmen: Ein Becher kostet fast einen Euro und macht den Brei schwer, ohne dass er besser wird.
Und ein Wort zu den Eiern. Vier Stück für 92 Cent sind hier kein Sparposten, sondern der Grund, warum das Gericht satt macht. Wenn ich merke, dass ein Ei pro Person nicht reicht, brate ich einfach noch zwei mehr — 46 Cent, und der Teller ist voll. Wer Ei und Kartoffel lieber in Sauce mag, findet bei den Eiern in Senfsoße die nächste Variante.
Was danach noch geht
Vom Brei bleibt bei uns fast immer etwas übrig, und kalt ist er am nächsten Tag hart wie Beton. Ich mache daraus entweder Kartoffelpuffer — Brei mit einem Ei und zwei Esslöffeln Mehl verrühren, flach in die Pfanne — oder ich rühre ihn mit einem Schuss heißer Milch wieder weich. Falls du den Brei ohnehin gern noch weiter strecken willst, ist Kartoffelpüree mit Blumenkohl die nächste Stufe.
Ich mag an diesem Abendessen, dass es nichts vorgibt zu sein. Es ist Brei, Spinat und ein Ei. Aber wenn ich die vier Teller auf den Tisch stelle und die Kleine anfängt, mit der Gabel in ihr Eigelb zu stechen, bevor ich überhaupt sitze, dann ist das für einen Donnerstag mehr, als ich erwarten würde.
