Ich habe jahrelang geglaubt, für ein Curry bräuchte man dieses kleine Glas Currypaste, das bei Aldi ab und zu für 2,49 € im Aktionsregal steht. Also gab es bei uns Curry nur dann, wenn das Glas gerade im Schrank stand. Vielleicht viermal im Jahr.
Eine Kollegin hat mir irgendwann erzählt, dass sie ihres seit Jahren mit dem gelben Currypulver aus der Streudose macht. 99 Cent für 50 Gramm, das reicht bei mir für gut acht Töpfe. Ausprobiert habe ich es an einem Donnerstag, an dem der Kühlschrank nichts mehr hergab und nur der Vorratsschrank noch etwas zu bieten hatte. Seitdem steht das teure Glas im Regal und wird langsam alt.
Vier Teller für 4,12 €, also 1,03 € pro Person – und der Reis ist da schon mitgerechnet.
Geht das wirklich ganz ohne frische Zutaten?
Bis auf Zwiebel und Knoblauch: ja. Linsen, Reis, Kokosmilch, Dosentomaten und Tomatenmark liegen bei mir ohnehin im Schrank, die Erbsen im Gefrierfach. Zwiebeln halten sich wochenlang im dunklen Fach unter der Spüle, Knoblauch genauso. Genau deshalb wird dieses Curry bei uns immer dann gekocht, wenn ich zwei Tage nicht einkaufen war und trotzdem um halb sieben etwas auf dem Tisch stehen soll.
Rote Linsen sind geschält. Sie kochen in einer Viertelstunde weich, ohne Einweichen, ohne Vorkochen, und sie zerfallen dabei zu einer sämigen Masse. Das heißt: Du brauchst weder Mehl noch Sahne, damit die Soße bindet. Die Linsen machen das allein. Bei Aldi und Lidl stehen sie bei den Hülsenfrüchten, 500 Gramm kosten 1,49 €, und für diesen Topf gehen 250 Gramm davon drauf.

Wie koche ich das Curry?
- Den Reis aufsetzen: 350 g Reis mit der doppelten Menge Wasser und etwas Salz aufkochen, dann bei kleinster Hitze zugedeckt ausquellen lassen. Er ist ungefähr dann fertig, wenn auch das Curry fertig ist.
- Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Zwei Esslöffel Öl in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebel darin fünf Minuten weich dünsten, bis sie glasig ist. Der Knoblauch kommt in der letzten Minute dazu, sonst wird er bitter.
- Zwei gehäufte Teelöffel Currypulver und das Tomatenmark einrühren und eine gute Minute mitrösten. Es riecht sofort völlig anders als direkt aus der Dose – dieser eine Schritt bringt mehr als jede zusätzliche Zutat.
- Die roten Linsen dazugeben, kurz umrühren, dann mit 400 ml Gemüsebrühe ablöschen und den Bodensatz loskratzen.
- Die gehackten Tomaten und die Kokosmilch dazu. Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker hinein, einmal kräftig umrühren.
- Bei kleiner Hitze 15 Minuten offen köcheln lassen. Alle paar Minuten umrühren, weil Linsen sich gern am Topfboden festsetzen.
- Die gefrorenen Erbsen in den letzten drei Minuten unterheben. Länger brauchen sie nicht und so behalten sie ihre Farbe.
- Abschmecken. Zu dick? Ein Schuss Wasser. Zu dünn? Fünf Minuten weiterköcheln. Zu brav? Noch ein halber Teelöffel Curry und deutlich mehr Salz, als du denkst.

Ist das nicht zu scharf für Kinder?
Das gelbe Currypulver aus dem Discounter ist mild. Da ist Kurkuma drin, Koriander, Bockshornklee, ein bisschen Chili – aber so wenig, dass meine Sechsjährige nicht einmal nachfragt. Scharf wird ein Curry erst durch Currypaste oder zusätzliches Chilipulver, und beides lasse ich weg, wenn alle vier mitessen sollen.
Was bei uns funktioniert hat: Ich habe es beim ersten Mal als „gelbe Soße mit Reis“ auf den Tisch gestellt und das Wort Curry gar nicht erst benutzt. Mein Neunjähriger, der bei allem Fremden zuerst den Kopf schüttelt, hat zweimal nachgenommen. Beim übernächsten Mal habe ich es dann Curry genannt, und da war es längst zu spät für Protest.
Die Kokosmilch hilft dabei enorm. Sie nimmt den Gewürzen die Kante und macht die Soße mild und cremig. Wer es für sich selbst kräftiger mag, streut am eigenen Teller Chiliflocken darüber – so muss niemand zwei Töpfe kochen.
Wo steckt die Ersparnis genau?
Der teuerste Posten ist mit 99 Cent die Kokosmilch, und die ist es wert: Sie ersetzt Sahne, Crème fraîche und jede Fertigsoße auf einmal. Danach kommen die Linsen mit 75 Cent und der Reis mit 63 Cent. Zusammen kostet der komplette Topf inklusive Beilage 4,12 €. Ein Fertig-Curry aus dem Kühlregal liegt bei knapp 3 € – für eine einzige Portion.
Was du ersetzen kannst: Die Erbsen dürfen jedes Gemüse aus dem Gefrierfach sein, TK-Spinat passt genauso, ebenso ein Rest Möhrenwürfel. Statt Reis geht auch Couscous, der ist in fünf Minuten fertig. Und wenn keine Dosentomaten da sind, tut es passierte Tomate, dann wird das Curry etwas glatter.
Was du nicht ersetzen solltest: die Kokosmilch durch Milch. Ich habe es einmal probiert, weil die Dose leer war, und die Soße ist mir geflockt und schmeckte dünn. Wenn keine Kokosmilch da ist, lass sie lieber ganz weg, nimm 100 ml Brühe weniger und rühre am Ende zwei Esslöffel Schmand unter.
Und der Fehler, den ich beim ersten Versuch gemacht habe: zu wenig Salz. Linsen schlucken Salz wie nichts anderes. Wenn dein Curry am Ende nach nichts schmeckt, liegt es fast nie an den Gewürzen, sondern am Salz.
Und wenn etwas übrig bleibt?
Am nächsten Tag ist das Curry fester, weil die Linsen nachziehen. Ein Schluck Wasser in den Topf, kurz aufwärmen, fertig. In der Brotdose meines Großen war es schon zweimal kalt dabei, zusammen mit dem Reis, und beschwert hat er sich nicht.
Ich koche inzwischen absichtlich die anderthalbfache Menge und stelle den Rest in einem Schraubglas ins Gefrierfach. Das kostet mich fast nichts extra und rettet mir irgendwann einen Abend. Falls du dich mit Hülsenfrüchten anfreunden willst: In den günstigen Abendessen steht auch das Kichererbsen-Curry mit Spinat, das nach genau demselben Prinzip funktioniert.
Eine Variante, die du unbedingt mal probieren solltest: einen halben säuerlichen Apfel klein würfeln und mit der Zwiebel andünsten. Das klingt nach Kantine der Achtzigerjahre, ich weiß. Aber die leichte Säure hebt das ganze Curry, und bei uns fragen die Kinder inzwischen danach.
