Samstagvormittag, draußen Nieselregen, drinnen vier Leute, die sich langsam auf die Nerven gehen. Auf dem Küchentisch liegt eine Lage Mehl, weil meine Tochter beschlossen hat, dass mehr immer besser ist. Der Neunjährige sucht in der Schublade nach dem Stern, den er letztes Jahr am liebsten hatte, und findet nur Herzen und einen Elch.
So sieht Plätzchenbacken bei uns aus, und zwar nicht nur im Dezember. Ein Teig aus vier Zutaten, ein Blech voll, eine Stunde beschäftigte Kinder. Der ganze Spaß kostet 3,47 €, und dabei ist der Zuckerguss zum Verzieren schon eingerechnet.
Das 3-2-1-Prinzip
Mürbeteig merkt man sich als Zahlenreihe: 3 Teile Mehl, 2 Teile Fett, 1 Teil Zucker. Bei mir sind das 300 g Mehl, 200 g Butter, 100 g Zucker. Dazu ein Ei und eine Prise Salz, damit der Teig zusammenhält und nicht fad schmeckt.
Diese Reihe funktioniert in jede Richtung. Halbe Menge für ein kleines Blech: 150 – 100 – 50. Doppelte Menge, wenn Besuch kommt: 600 – 400 – 200. Du brauchst dafür kein Rezept mehr, nur die drei Zahlen.
Aus der vollen Menge werden bei mir etwa 60 Plätzchen, je nach Ausstecher. Das sind knapp sechs Cent pro Stück. Eine Packung Butterkekse aus dem Regal liegt bei 1,29 € für 200 g, also ungefähr das Dreifache – und ausstechen darf dabei niemand.

Zubereitung
- 300 g Mehl, 100 g Zucker, eine Prise Salz und die 200 g kalte Butter in Stückchen in eine Schüssel geben. Ein Ei dazu.
- Alles rasch mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Rasch heißt: höchstens eine Minute. Sobald keine Mehlnester mehr da sind, hörst du auf.
- Den Teig zu einer flachen Scheibe drücken, in Folie wickeln und mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank legen. Dieser Schritt ist der einzige, den man nicht überspringen darf.
- Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen, zwei Bleche mit Backpapier belegen.
- Den Teig portionsweise auf der leicht bemehlten Arbeitsplatte etwa 4 mm dick ausrollen. Immer nur ein Viertel herausnehmen, der Rest bleibt kalt.
- Ausstechen, die Plätzchen mit etwas Abstand aufs Blech setzen. Die Teigreste wieder zusammendrücken, kurz kaltstellen und erneut ausrollen.
- 8 bis 11 Minuten backen, bis die Ränder hellbraun sind. Die Mitte darf noch blass aussehen – Mürbeteig wird beim Abkühlen fest.
- Auf dem Blech zwei Minuten ruhen lassen, dann auf ein Gitter oder ein Küchenbrett schieben und vollständig auskühlen lassen.
- Puderzucker mit ein paar Tropfen Wasser oder Zitronensaft zu einem dicken Guss verrühren, auf die kalten Plätzchen streichen und sofort Streusel darüber.

Die drei Fehler, die ich selbst gemacht habe
- Teig zu warm verarbeitet. Beim ersten Mal wollte ich nicht warten und habe direkt ausgerollt. Der Teig klebte an der Rolle, an der Platte, an den Ausstechern, und ich habe immer mehr Mehl daruntergestreut. Ergebnis: Plätzchen wie Pappe. Butter muss kalt sein, sonst geht gar nichts.
- Zu dünn ausgerollt. Unter 3 mm werden die Plätzchen an den Rändern in Sekunden dunkel, während die Mitte noch weich ist. 4 mm ist der Punkt, an dem sie mürbe sind und trotzdem nicht bröseln.
- Zu lange gebacken. Ich habe früher gewartet, bis alles goldbraun war. Dann sind sie hart. Raus, sobald der Rand Farbe hat – der Rest passiert beim Abkühlen.
Verzieren ohne teures Zubehör
Zuckerguss ist Puderzucker plus Flüssigkeit, mehr nicht. 100 g Puderzucker kosten 35 Cent, dazu ein Teelöffel Wasser, und er wird umso weißer, je weniger Flüssigkeit du nimmst. Für Farbe reicht ein Tropfen Saft aus dem Kirschglas oder ein bisschen Kakao.
Auftragen lassen wir ihn mit dem Teelöffelrücken, Pinsel brauchen wir nicht. Wer Linien möchte, füllt den Guss in einen Gefrierbeutel und schneidet eine winzige Ecke ab. Meine Kinder finden das spannender als jede fertige Zuckerschrift für 1,99 €.
Die bunten Streusel sind bei uns der einzige Posten, bei dem ich nicht spare: Ein Döschen kostet 49 Cent und hält vier oder fünf Backaktionen. Ohne Streusel wäre das halbe Vergnügen weg, und darum geht es an so einem Samstag ja.
Was das Blech wirklich kostet
Die Butter ist mit 1,83 € für 200 g der Brocken in dieser Rechnung – mehr als die Hälfte des Gesamtpreises. Wenn du auf Margarine umsteigst, zahlst du dafür etwa 32 Cent, und der ganze Teig kostet dann keine zwei Euro mehr. Ich mache es je nach Woche unterschiedlich: Kommt Besuch, nehme ich Butter. Ist es ein Regensamstag nur für uns, tut es die Margarine, und die Kinder haben den Unterschied noch nie bemerkt.
Mehl und Zucker fallen kaum ins Gewicht: 300 g Mehl sind 33 Cent, 100 g Zucker neun Cent. Das Ei liegt bei 23 Cent. Der eigentliche Preis beim Plätzchenbacken ist immer das Fett, alles andere ist Kleingeld.
Was du ersetzen kannst: Statt Vanillezucker eine Prise Zimt oder etwas abgeriebene Zitronenschale. Statt Puderzucker geht auch normaler Zucker, den du im Mixer fein mahlst – das spart die extra Packung. Und wenn kein Ei da ist, nimm zwei Esslöffel Milch, dann wird der Teig etwas krümeliger, aber er funktioniert.
Was ein Fehler wäre: Butter durch Öl zu ersetzen. Mürbeteig braucht festes Fett, damit die typischen Schichten entstehen. Mit Öl bekommst du eine Masse, die sich weder ausrollen noch ausstechen lässt – das habe ich einmal versucht und den Teig danach als Streusel auf einen Apfelkuchen gekippt, was die einzig sinnvolle Rettung war.
Aufbewahren
In einer gut schließenden Blechdose halten die Plätzchen drei Wochen, ohne dass sie weich werden. Wichtig ist nur, dass der Zuckerguss vorher vollständig durchgetrocknet ist – bei uns bleiben die Bleche dafür über Nacht stehen, sonst klebt am nächsten Tag alles zusammen.
Der Teig selbst lässt sich hervorragend vorbereiten. Er hält gewickelt drei Tage im Kühlschrank und drei Monate im Gefrierfach. Ich mache deshalb oft die doppelte Menge und lege die Hälfte weg – dann ist der nächste verregnete Samstag schon geplant, und ich muss nur noch den Ofen anschalten.
Wenn du gerade sowieso beim Backen bist: In der Kategorie günstig backen stehen auch die Quarkbällchen wie vom Jahrmarkt und die Zimtschnecken für den Sonntagmorgen, die beide mit denselben Vorratszutaten auskommen.
