Meine Sechsjährige hält mir den Teller hin und will Nachschlag. Bei Kartoffelpüree ist das nichts Besonderes — nur bestand an diesem Abend die Hälfte davon aus Blumenkohl. Ihr großer Bruder, der beim Wort Blumenkohl sonst sofort abwinkt, hatte da schon zwei Portionen gegessen und nichts gesagt.
Ich habe das nicht erfunden, ich habe es aus Not probiert. In der Truhe lag ein angebrochener Beutel Tiefkühlblumenkohl, im Kartoffelsack waren nur noch achthundert Gramm, und satt werden mussten vier Leute. Also kam beides zusammen in denselben Topf. Seitdem koche ich es absichtlich so — für 4,36 €, also 1,09 € pro Person.

Der Versuch davor ging daneben
Ein halbes Jahr vorher hatte ich schon einmal etwas Ähnliches versucht, nur mit ganzem Ehrgeiz: reines Blumenkohlpüree, gar keine Kartoffel. Ich hatte gelesen, dass das geht. Es geht auch — nur sieht es aus wie eine graugrüne Pfütze und läuft auf dem Teller zur Seite weg. Blumenkohl hat kaum Stärke, und Stärke ist genau das, was Püree cremig und standfest macht.
Meine Kinder haben höflich zwei Löffel gegessen. Mein Mann hat gefragt, ob die Suppe noch warm gemacht wird. Danach war das Thema für mich erledigt, bis der halbe Beutel in der Truhe mich zum zweiten Anlauf gezwungen hat.
Die Lösung liegt genau in der Mitte: gleiche Mengen Kartoffel und Blumenkohl. Die Kartoffel bringt die Bindung, der Blumenkohl bringt Menge und eine leichte Süße. Die Farbe bleibt hell, die Konsistenz bleibt fest, und niemand am Tisch merkt, dass ein halbes Kilo Gemüse im Topf war.
Warum ausgerechnet Tiefkühlblumenkohl
Ein frischer Blumenkohlkopf kostet im Sommer um die 1,99 €, im Winter schnell 2,49 €. Davon wanderten bei mir immer der dicke Strunk und die Blätter in den Müll — bezahlt habe ich sie trotzdem. Der 750-g-Beutel aus der Truhe kostet 1,29 €, ist bereits geputzt und in Röschen zerteilt, und ich nehme genau so viel heraus, wie ich brauche.
Dazu kommt: Er liegt immer da. Ich muss nichts planen, nichts frisch kaufen und nichts wegwerfen, wenn der Abend anders kommt als gedacht. Das ist bei einem Wocheneinkauf von rund 90 € für vier Personen mehr wert als jeder Frische-Vorteil.

So koche ich es
- Kartoffeln schälen, in etwa gleich große Stücke von drei Zentimetern schneiden und in einen großen Topf geben. Mit Wasser bedecken, kräftig salzen und aufsetzen.
- Sobald das Wasser kocht, zehn Minuten kochen lassen. Dann erst den gefrorenen Blumenkohl dazugeben — er braucht deutlich weniger Zeit als die Kartoffeln und würde sonst zu Matsch zerfallen.
- Weitere zehn bis zwölf Minuten kochen, bis beides weich ist. Die Probe: Ein Messer soll ohne Widerstand durch ein Kartoffelstück gehen.
- Alles in ein Sieb abgießen und wirklich gut abtropfen lassen, mindestens zwei Minuten. Das ist der wichtigste Schritt, denn der Blumenkohl hält viel Wasser fest. Ich schüttle das Sieb dabei ein paarmal kräftig durch.
- Zurück in den warmen Topf geben, Butter darauf, mit dem Stampfer durcharbeiten. Nimm keinen Mixer und keinen Pürierstab — die Kartoffel wird davon klebrig und zäh.
- Die Milch erwärmen und nach und nach dazugießen, bis die Konsistenz stimmt. Kalte Milch macht das Püree schwer und kühlt es aus.
- Reibekäse unterrühren, solange alles heiß ist. Mit Salz, Pfeffer und großzügig Muskat abschmecken. Der Käse ist hier kein Luxus, sondern der Grund, warum es nach Kartoffelpüree schmeckt und nicht nach Gemüse.
- Für die Röstzwiebeln: Zwiebeln in feine Ringe schneiden, in Öl bei mittlerer Hitze acht bis zehn Minuten goldbraun braten, auf Küchenpapier abtropfen lassen und über das Püree streuen.

Wo das Geld bleibt
Ein Kilo Kartoffeln kostet 1,20 €. Wenn ich die Hälfte davon durch Blumenkohl ersetze, wird das Essen nicht billiger — es wird bei gleichem Preis deutlich mehr. Aus einem Kilo Kartoffeln allein bekomme ich vier knappe Portionen Püree, mit dem Beutel Blumenkohl werden daraus vier reichliche, und ein Rest bleibt für die Brotdose am nächsten Tag.
Sparen kannst du an der Butter, aber nicht ganz: Zwanzig Gramm statt fünfzig reichen, wenn du dafür etwas mehr Käse nimmst. Ganz ohne Fett schmeckt Püree flach, egal wie viel Muskat du hineinrührst.
Der Fehler wäre, fertiges Kartoffelpüree aus der Tüte zu nehmen und den Blumenkohl unterzumischen. Die Tüte kostet 79 Cent für zwei Portionen, das sind pro Portion 40 Cent — echte Kartoffeln kosten 15. Und mit Pulver funktioniert der Trick ohnehin nicht, weil die Bindung dann aus der Tüte kommt und der Blumenkohl nur Wasser dazugibt.
Wenn du Blumenkohl im Haus hast und ihn nicht verstecken willst, ist der überbackene Blumenkohl mit Kartoffeln die andere Richtung. Und als Beilage passt dieses Püree zu allem, was Soße hat — bei uns meistens zu Frikadellen. Weitere Gerichte, bei denen bei uns nicht diskutiert wird, stehen bei den kinderfreundlichen Rezepten.
Ich sage meinen Kindern inzwischen, was drin ist — aber erst nach dem Essen. Der Große weiß es längst und findet es lustig, die Kleine glaubt mir bis heute nicht so recht. Wichtiger ist mir ohnehin, dass am Ende ein leerer Topf auf dem Herd steht.
