„Gibt es Zuckerbrot?“ — so heißt das bei uns, seit Lina den Namen mit vier Jahren erfunden hat. Arme Ritter sagt in dieser Küche niemand außer mir, und auch nur, wenn ich das Rezept aufschreibe.
Gefragt wird immer in derselben Lage: Samstagvormittag, im Brotkasten liegen acht, neun Scheiben von der Woche, hart und uninteressant, frisches Brot gibt es erst, wenn jemand losgeht. Zehn Minuten später steht ein Teller Zuckerbrot auf dem Tisch und der Brotkasten ist leer.
3,16 € kostet das bei uns für vier Personen, mit selbst gekochtem Apfelmus und Zimtquark zum Stippen — 79 Cent pro Person für ein sattes Frühstück. Weitere Sachen, die meine beiden ohne Diskussion essen, findest du unter kinderfreundliche Rezepte.

Wie alt muss das Brot sein?
Mindestens einen Tag, besser zwei. Frisches Brot hat sein Wasser noch in sich und nimmt deshalb kaum Milch auf; stattdessen weicht es durch und fällt beim Wenden auseinander. Trockenes Brot dagegen ist ein Schwamm: Es saugt die Milch-Ei-Mischung auf und behält dabei seine Form.
Bei uns geht alles hinein, was übrig ist: Toastscheiben, Brötchenhälften vom Sonntag, das Ende vom Weißbrot, auch Reste vom Hefezopf. Mischbrot funktioniert, schmeckt aber kräftiger. Körnerbrot lasse ich weg, die Körner werden nicht weich und stören in jedem Bissen.
Falls dein Brot noch zu weich ist: Scheiben zehn Minuten bei 100 Grad in den Ofen legen, dann ist es trocken genug. Wer noch mehr hartes Brot loswerden muss, macht daraus Brotpizza vom Blech — die deckt bei uns den herzhaften Teil der Woche ab.
Wie viel Milch und wie viele Eier?
Für zehn Scheiben nehme ich 300 ml Milch und zwei Eier. Das ist bewusst milchlastig. Mit vier Eiern auf dieselbe Menge schmeckt das Ergebnis nach Omelett, und genau daran hat sich Jonas beim ersten Mal gestört: „Das riecht wie Rührei mit Zucker.“ Recht hatte er.
Dazu kommen ein Päckchen Vanillezucker, ein Esslöffel Zucker und eine Prise Salz. Das Salz klingt in einer süßen Masse falsch, aber ohne schmeckt alles flach. Zimt rühre ich nicht in die Milch — er setzt sich am Boden ab und kommt hinterher als Zimtzucker obendrauf.
Wie geht das, Schritt für Schritt?
- Zucker und Zimt in einem flachen Teller mischen und neben den Herd stellen. Das muss vorher fertig sein, sonst hast du später keine Hand frei.
- Milch, Eier, Vanillezucker, einen Esslöffel Zucker und eine Prise Salz in einem tiefen Teller verquirlen, bis keine Eifäden mehr zu sehen sind.
- Eine Pfanne bei mittlerer Hitze warm werden lassen, einen Teelöffel Öl hineingeben und darin ein Stück Butter schmelzen. Das Öl sorgt dafür, dass die Butter nicht sofort braun wird.
- Die Brotscheiben einzeln in die Milch legen, bis zehn zählen, wenden, wieder bis zehn zählen. Bei sehr hartem Brot dürfen es zwanzig Sekunden je Seite sein. Die Scheibe soll sich schwer anfühlen, aber nicht tropfen.
- So viele Scheiben in die Pfanne legen, wie nebeneinander Platz haben, ohne sich zu berühren. Zwei bis drei Minuten braten, bis die Unterseite goldbraun ist, dann wenden.
- Die fertigen Scheiben sofort in den Zimtzucker legen und von beiden Seiten wenden. Solange sie heiß sind, bleibt er haften, kalt rutscht er wieder ab.
- Auf einem Teller im Ofen bei 80 Grad warm stellen, während die nächste Runde brät. Für zehn Scheiben brauche ich zwei bis drei Durchgänge und knapp eine Viertelstunde.
Dürfen die Kinder mitmachen?
Alles außer der Pfanne. Lina mischt den Zimtzucker — ein Esslöffel Zimt auf fünf Esslöffel Zucker, sie rührt so lange, bis die Farbe gleichmäßig ist. Jonas verquirlt die Milchmasse und tunkt die Scheiben ein; das Zählen bis zehn nimmt er sehr ernst und beschwert sich, wenn ich zu früh nachlege.
Was ich gelernt habe: Der Teller mit dem Zimtzucker gehört auf den Tisch, nicht neben den Herd, wenn Kinder helfen. Beim ersten Mal standen beide zwischen mir und der heißen Pfanne. Seitdem gilt: Ich brate, sie wenden am Tisch.

Was kommt dazu?
Zwei Sachen, die zusammen 1,35 € kosten. Erstens Apfelmus, aber selbst gekocht: drei Äpfel schälen, würfeln, mit zwei Esslöffeln Wasser und einem Esslöffel Zucker zehn Minuten in den Topf, fertig. Das läuft nebenbei, während das Brot einweicht, und kostet 90 Cent statt 1,29 € für das Glas.
Zweitens Zimtquark: 250 g Quark, zwei Esslöffel Milch, ein Teelöffel Zucker, eine Prise Zimt. Dazu ist er bei uns kein Beilagenquark, sondern Dip — die Kinder stippen die Ecken hinein, und ein Teller Zuckerbrot hält damit deutlich länger als sonst.
Und wo wird da gespart?
Der Punkt ist, dass der Hauptbestandteil nichts extra kostet. Die zehn Scheiben rechne ich mit 55 Cent, weil sie beim Einkauf bezahlt wurden — im Kopf sind sie geschenkt, denn sonst wären sie am Samstag in der Tonne gelandet. Vier Personen satt für 3,16 €, und der teuerste Posten sind die Äpfel.
Milch und Eier sind mit 81 Cent der zweite Block. Zwei Eier reichen wirklich für zehn Scheiben; wer drei nimmt, hat Masse übrig. Falls doch etwas übrig bleibt, lege ich eine weitere Scheibe hinein oder mache am nächsten Morgen Rührei daraus.
Was sich nicht lohnt: die Milch mit Wasser strecken. Die Ersparnis liegt bei zehn Cent für die ganze Pfanne, und die Masse verliert genau das, was sie cremig macht. Genauso wenig lohnt es sich, extra Toastbrot dafür zu kaufen — dann kostet der Spaß plötzlich 1,20 € mehr. Wie ich das Ganze in der ausführlichen Sonntagsversion mache, mit Apfelmus und mehr Scheiben, steht bei den Armen Rittern wie bei Oma.
Lina ist inzwischen sechs und weiß, dass Zuckerbrot etwas mit altem Brot zu tun hat. Neulich hat sie am Donnerstag in den Brotkasten geschaut und gesagt, das Brot sei jetzt fast hart genug. So weit ist es also gekommen bei uns, und ich finde das ziemlich gut.
