Aus 700 Gramm Hähnchenbrust für 6,29 € werden bei mir etwa 26 Nuggets. Am Imbiss um die Ecke kosten neun Stück 4,90 €, also gut 54 Cent pro Stück. Bei mir liegt das Stück bei 24 Cent, und da sind die Ofenkartoffeln und der Dip schon eingerechnet: 8,92 € für vier Personen, 2,23 € pro Teller.
Der Grund, warum sie hier überhaupt so oft auf den Tisch kommen, ist mein Sohn. Er hatte irgendwann beschlossen, dass echte Nuggets nur vom Imbiss kommen und alles andere „nicht dasselbe“ ist. Also habe ich es probiert — und beim ersten Versuch mit ganz normalen Semmelbröseln paniert. Was aus dem Ofen kam, war blass, weich und sah aus wie gekochtes Hähnchen mit Krümeln drauf. Die Rettung stand im Schrank: der letzte Rest Cornflakes, unten in der Packung, halb zerbröselt sowieso.

Warum Cornflakes und nicht Semmelbrösel?
Semmelbrösel brauchen Fett von außen, um knusprig zu werden. In der Fritteuse oder in einer Pfanne mit einem Fingerbreit Öl funktionieren sie hervorragend, im Ofen bleiben sie mehlig, weil dort schlicht kein heißes Fett an sie herankommt. Cornflakes sind bereits geröstet und trocken. Sie werden im Ofen nicht knusprig, sie sind es schon — der Ofen erhitzt sie nur und lässt sie am Fleisch festbacken.
Wichtig ist die richtige Sorte: die einfachen, ungezuckerten Cornflakes für rund 0,99 € die 375-Gramm-Packung. Nicht die glasierten mit Honig oder Zuckerguss, die verbrennen im Ofen und schmecken danach nach Karamell auf Hähnchen. Ich zerdrücke etwa 150 Gramm in einem Gefrierbeutel mit dem Nudelholz oder einfach mit der Faust. Die Stücke sollen grob bleiben, etwa reiskorngroß und größer. Wer sie zu Mehl zermahlt, hat wieder Semmelbrösel, nur teurer.
Wie werden sie im Ofen wirklich knusprig?
Drei Dinge entscheiden das. Erstens: Die Nuggets brauchen Abstand. Wenn sie sich auf dem Blech berühren, dampfen sie sich gegenseitig weich. Bei 700 Gramm Fleisch nehme ich zwei Bleche oder backe in zwei Runden. Zweitens: Backpapier statt Alufolie, und das Blech kommt auf die mittlere Schiene bei 200 Grad Ober- und Unterhitze. Drittens: Bevor das Blech in den Ofen geht, besprühe oder betupfe ich die Nuggets von oben mit etwas Öl. Ein Teelöffel reicht fürs ganze Blech und macht den Unterschied zwischen hellgelb und goldbraun.
Gewendet wird nach zwölf Minuten, dann noch einmal acht bis zehn Minuten. Länger nicht — Hähnchenbrust in Streifen ist schnell trocken, und die Panade wird dann dunkel, während das Fleisch strohig wird.
Wie geht das Schritt für Schritt?
- Ofen auf 200 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Zwei Bleche mit Backpapier belegen.
- 700 Gramm Hähnchenbrustfilet trocken tupfen und quer zur Faser in Streifen von etwa zwei Zentimetern Breite schneiden, diese dann in daumengroße Stücke teilen.
- 150 Gramm Cornflakes in einen Gefrierbeutel geben, Luft herausdrücken und grob zerdrücken. In einen tiefen Teller schütten und mit einem halben Teelöffel edelsüßem Paprikapulver, Salz und Pfeffer mischen.
- Drei Esslöffel Mehl in einen zweiten Teller geben, zwei Eier in einem dritten mit einer Prise Salz verquirlen.
- Die Fleischstücke erst im Mehl wenden und gut abklopfen, dann durchs Ei ziehen, kurz abtropfen lassen und zuletzt in den Cornflakes wälzen. Dabei mit der Hand fest andrücken, damit die Bröseln halten.
- Mit Abstand auf die Bleche legen. Von oben leicht mit Öl beträufeln oder besprühen.
- 12 Minuten backen, wenden, weitere 8 bis 10 Minuten. Die Nuggets sind fertig, wenn die Panade goldbraun ist und das Fleisch beim Einschneiden durchgehend weiß.
- Für die Ofenkartoffeln 800 Gramm Kartoffeln ungeschält gründlich waschen, in Spalten schneiden, mit einem Esslöffel Öl, Salz und Paprikapulver mischen und auf einem eigenen Blech 35 Minuten mitbacken. Sie kommen 15 Minuten vor den Nuggets in den Ofen.
Was kostet das im Vergleich?
Der teuerste Posten ist eindeutig die Hähnchenbrust mit 6,29 € für 700 Gramm. Alles andere zusammen — Cornflakes, Mehl, Eier, Kartoffeln, Joghurt und Ketchup für den Dip — liegt bei 2,63 €. Eine 250-Gramm-Packung Tiefkühl-Nuggets kostet je nach Marke 2,29 € bis 2,99 € und reicht bei uns für höchstens zwei Kinderportionen. Für vier Personen bräuchte ich zwei Packungen, wäre also bei etwa 5 € und hätte weder Kartoffeln noch Dip.
Gespart wird an drei Stellen. Die Hähnchenbrust kaufe ich fast nie zum Normalpreis, sondern wenn sie im Angebot bei 7,99 € statt 8,99 € das Kilo liegt, und friere sie portionsweise ein. Die Cornflakes sind die billigste Panade, die ich kenne: 150 Gramm kosten 42 Cent, dieselbe Menge Semmelbrösel im Beutel liegt darüber und Cornflakes hat man ohnehin im Haus. Und der Dip ist selbst gemacht: 150 Gramm Naturjoghurt mit drei Esslöffeln Ketchup und einer Prise Paprikapulver verrührt kostet gut 50 Cent, eine fertige Dip-Sauce im Becher 1,49 €.
Der Fehler, der Geld kostet, wäre das Frittieren. Ein halber Liter Öl kostet rund 1 €, ist nach einem Durchgang mit Panade nicht mehr zu gebrauchen, und die Küche riecht drei Tage danach. Der Ofen macht die Arbeit ohne das alles.
Und wenn die Kinder trotzdem misstrauisch gucken?
Bei uns hat es funktioniert, weil die Form gestimmt hat. Nuggets müssen daumengroß und unregelmäßig sein — keine ordentlichen Schnitzelchen, keine langen Streifen. Ich lege sie in einer Schale auf den Tisch statt auf den Teller zu portionieren, dazu den Dip in kleinen Schüsselchen für jeden. Mein Sohn hat beim zweiten Mal gefragt, ob ich die „richtigen“ gekauft hätte. Seitdem sage ich nichts mehr dazu.
Wer möchte, mischt in die Cornflakes noch einen Esslöffel Reibekäse oder eine Prise Knoblauchpulver. Mehr Würze verträgt die Panade nicht, sonst schmecken die Nuggets nach Gewürzregal. Weitere Gerichte, die bei uns ohne Diskussion gegessen werden, findest du unter Kinderfreundliche Rezepte — zum Beispiel die selbst panierten Fischstäbchen mit Kartoffelsalat, die nach demselben Prinzip entstehen.
Kann ich sie vorbereiten oder einfrieren?
Panieren lässt sich gut ein paar Stunden vorher. Die fertig panierten Nuggets liegen dann auf einem Teller im Kühlschrank, abgedeckt mit einem Küchentuch, nicht mit Folie — sonst schwitzen sie und die Panade weicht auf. Roh einfrieren geht auch: einzeln auf einem Brett vorfrieren, danach in einen Beutel. Sie kommen gefroren in den Ofen und brauchen etwa acht Minuten länger.
Übrig gebliebene Nuggets sind am nächsten Tag kalt in der Brotdose besser aufgehoben als in der Mikrowelle, dort werden sie zäh. Wenn es doch warm sein soll: fünf Minuten bei 180 Grad in den Ofen, dann sind sie fast wie frisch. Und falls nur noch die Ofenkartoffeln übrig sind, gibt es die bei uns am nächsten Morgen mit einem Spiegelei — dazu kommt mir sowieso nichts in den Mülleimer, das ist noch von meiner Oma so hängen geblieben.
