Ich habe den Ofenschlupfer jahrelang für einen Nachtisch gehalten. Etwas, das in kleinen Schälchen nach dem Braten kommt, mit Vanillesoße obendrauf. Bis meine Schwiegermutter ihn an einem Mittwoch als komplettes Abendessen auf den Tisch gestellt hat, mit nichts weiter dazu, und keiner am Tisch gefragt hat, wo denn jetzt das Eigentliche bleibt.
Seitdem steht er bei uns ungefähr einmal im Monat auf dem Plan. Meistens donnerstags, weil dann die Brötchen vom Wochenende so hart sind, dass Jonas damit auf den Tisch klopft, und weil im Obstkorb regelmäßig zwei Äpfel liegen, die keiner mehr freiwillig anfasst. Aus genau diesen beiden Resten wird eine volle Auflaufform.
3,32 € kostet die ganze Form bei mir, 83 Cent pro Person. Weitere Sachen, die aus dem Ofen kommen und bei denen niemand merkt, wie wenig dahintersteckt, findest du bei den Eintöpfen und Aufläufen.
Welches Brot funktioniert — und welches nicht
Alles, was hell und trocken ist. Brötchen vom Sonntag sind das Beste, Toastscheiben gehen genauso, Weißbrotenden, Reste vom Hefezopf, sogar ein trockener Rest Milchbrötchen. Wichtig ist nur, dass das Brot mindestens zwei Tage alt ist. Frisches Brot saugt die Milch nicht auf, sondern löst sich darin auf, und du bekommst am Ende einen Pudding statt eines Auflaufs.
Was ich nicht mehr nehme: dunkles Mischbrot und alles mit Körnern. Das Mischbrot färbt die ganze Form gräulich und schmeckt gegen den Zimt an, die Körner werden im Ofen nicht weich und knirschen. Wenn dein Brot noch zu weich ist, leg die Scheiben zehn Minuten bei 100 Grad in den Ofen, dann ist es so weit.

So kommt der Ofenschlupfer in die Form
- Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Auflaufform von etwa 20 × 30 cm mit einem Stück Butter ausstreichen, auch an den Rändern.
- Das Brot in ungefähr zwei Zentimeter große Würfel schneiden und in eine große Schüssel geben. Brötchen darfst du grob reißen, das muss nicht ordentlich aussehen.
- Milch, Eier, 40 g Zucker, den Vanillezucker und eine Prise Salz verquirlen, bis keine Eifäden mehr zu sehen sind. Über das Brot gießen und einmal mit der Hand durchmischen.
- Fünfzehn Minuten stehen lassen. Das ist der Schritt, an dem ich beim ersten Mal gespart habe, und genau deshalb war die obere Hälfte hinterher trocken wie Zwieback. Zwischendurch einmal wenden, dann ziehen auch die oberen Würfel voll.
- Die Äpfel schälen, vierteln, das Kerngehäuse herausschneiden und in dünne Scheiben schneiden. Mit dem restlichen Zucker, dem Zimt und den Rosinen mischen.
- Die Hälfte der Brotmasse in die Form geben und glatt drücken. Die Apfelmischung darauf verteilen, den Rest der Brotmasse darüber, Oberfläche mit dem Löffelrücken glatt streichen.
- Butterflöckchen darauf setzen und alles 40 bis 45 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Fertig ist er, wenn die Oberfläche goldbraun ist und in der Mitte nichts mehr wackelt, wenn du die Form schüttelst.
- Zehn Minuten in der Form ruhen lassen, sonst zerfällt jedes Stück beim Herausheben.
Fünf Abwandlungen, die bei uns funktionieren
- Mit Birnen statt Äpfeln. Zwei Birnen kosten im Spätsommer ungefähr dasselbe. Sie sind weicher, also brauchen sie fünf Minuten weniger, sonst zerfallen sie ganz.
- Mit Kirschen aus dem Glas. Ein Glas Sauerkirschen für 1,19 €, gut abgetropft, ersetzt die Äpfel eins zu eins. Der Saft darf nicht mit hinein, sonst wird die Masse wässrig. Wie das im Ganzen aussieht, steht beim Grießauflauf mit Kirschen aus dem Glas.
- Mit Quark. 250 g Speisequark unter die Milch-Ei-Masse rühren. Das Ergebnis ist cremiger und sättigt deutlich länger, kostet aber 45 Cent mehr.
- Mit Haferflocken. Wenn das Brot nicht ganz reicht, ersetze ich bis zu 60 g davon durch kernige Haferflocken. Sie ziehen genauso voll und kosten fast nichts.
- Mit Vanillesoße. Ein Päckchen Puddingpulver Vanille mit 400 ml Milch und einem Esslöffel Zucker anrühren, aber nur halb so lange kochen wie angegeben — dann bleibt sie flüssig. Kostet 35 Cent statt 89 Cent für die fertige aus dem Tetrapak.

Wo das Geld liegen bleibt
Der Hauptbestandteil steht schon in deiner Küche. Die 350 g altes Brot rechne ich mit 65 Cent, weil sie beim Einkauf bezahlt wurden — sonst wären sie am Freitag in der Tonne gelandet. Damit ist der teuerste Posten dieses Rezepts nicht das Brot, sondern die drei Eier mit 69 Cent.
Bei den Äpfeln lohnt sich das Hinsehen. Im Juli sind sie am teuersten, ein Kilo lose kostet bei Aldi gerade um die 2,49 €. Ich nehme dann die Beutel mit kleineren Äpfeln, die am Ende des Regals stehen — Druckstellen stören in dieser Form kein bisschen, weil sowieso alles in dünne Scheiben geschnitten wird. Ab September kostet dasselbe Kilo 1,49 €, und dann mache ich den Ofenschlupfer öfter.
Was du nicht ersetzen solltest: die Milch durch Wasser. Die Ersparnis liegt bei etwa 50 Cent für die ganze Form, und die Masse verliert genau das, was sie beim Backen zusammenhält. Und der teuerste Fehler wäre, für dieses Rezept extra Toastbrot zu kaufen. Dann kostet die Form plötzlich 1,10 € mehr und du hast aus einem Restegericht ein normales gemacht. Wenn gerade kein altes Brot da ist, mach lieber später welches — oder Arme Ritter aus altem Brot, dafür reichen schon vier Scheiben.
Übrig bleibt bei uns fast immer ein Viertel der Form. Das kommt kalt in eine Dose, und am nächsten Nachmittag isst Lina es direkt daraus, ohne Teller, ohne Aufwärmen. Wenn du es warm magst: fünf Minuten bei 160 Grad in den Ofen, dann ist die Oberfläche wieder knusprig. In der Mikrowelle wird sie weich, das mag hier keiner.
