„Und was gibt es danach?“ — „Nichts. Das ist danach.“ Diesen Wortwechsel führe ich mit meiner Tochter jedes Mal, wenn der Grießauflauf auf den Tisch kommt, und jedes Mal endet er damit, dass sie nachnimmt. Ein süßes Hauptgericht ist für Kinder ein kleiner Regelbruch, und darauf springen sie an.
Der Auflauf ist im Grunde Grießbrei, der mit Ei aufgeschlagen und im Ofen gebacken wird. Er geht dabei leicht auf, bekommt oben eine goldene Haut und wird fest genug, dass man ihn in Stücke schneiden kann. Die Sauerkirschen aus dem Glas liegen darin verteilt und färben den hellen Grieß rosa.
Vier Portionen kosten mich 3,97 €, also nicht einmal einen Euro pro Person, Nachtisch inklusive, weil es ja der Nachtisch ist. Milch und Grieß zusammen kommen auf 1,39 € — das Teuerste an dem ganzen Essen sind die Kirschen. Weitere Sachen aus meiner Auflaufform stehen bei den Eintöpfen und Aufläufen.
Das Grundrezept
- Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine mittelgroße Auflaufform mit Butter ausstreichen.
- Die Kirschen in ein Sieb abgießen und gut abtropfen lassen. Den Saft auffangen — er ist morgen das Getränk der Kinder oder wird zur Soße.
- Milch mit dem Zucker, dem Vanillezucker, einer Prise Salz und der Butter in einem großen Topf aufkochen.
- Hitze klein stellen, mit dem Schneebesen einen Strudel rühren und den Grieß in dünnem Strahl einrieseln lassen. Zwei Minuten unter Rühren köcheln, dann den Topf vom Herd ziehen.
- Zehn Minuten abkühlen lassen. Diese zehn Minuten sind kein Vorschlag, sondern der wichtigste Schritt des Rezepts — warum, steht gleich unten.
- Die Eier trennen. Die Eigelbe einzeln in den lauwarmen Grieß rühren.
- Das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und in zwei Portionen unterheben. Nicht rühren, sondern mit dem Teigschaber von unten nach oben durch die Masse ziehen.
- Die Hälfte in die Form füllen, die Hälfte der Kirschen darauf verteilen, den Rest der Masse darübergeben und die restlichen Kirschen obenauf setzen. So hängen sie nicht alle am Boden.
- 35 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist und in der Mitte nicht mehr wackelt. Fünf Minuten stehen lassen, dann schneiden.

Die Stelle, an der es schiefgeht: das Ei
Beim ersten Versuch habe ich die Eier direkt in den heißen Grieß gerührt, weil ich es eilig hatte. Was ich bekam, waren gelbe Flöckchen im Brei — Rührei, sauber gestockt, mitten im Nachtisch. Man kann das essen, aber schön ist es nicht, und meine Kinder haben die Stückchen mit spitzen Fingern an den Tellerrand geschoben.
Eigelb stockt ab etwa 65 Grad. Frisch vom Herd hat der Grieß gut 90. Zehn Minuten Abkühlen reichen völlig: Wenn du mit dem Finger an den Topfrand fassen kannst, ohne zurückzuzucken, ist es so weit. Das Eiweiß hebst du erst danach unter, sonst fällt der Schaum sofort zusammen und der Auflauf bleibt flach.
Vier Abwandlungen
- Mit Apfel statt Kirsche: Zwei säuerliche Äpfel in dünnen Spalten zwischen die Grießmasse schichten, mit Zimt bestreuen. Kostet rund 60 Cent statt 1,39 € und ist die Version für den späten Monat.
- Mit Rosinen und Zitronenschale: 60 g Rosinen kurz in warmem Wasser einweichen, dazu die abgeriebene Schale einer halben Zitrone. Schmeckt fast wie Ofenschlupfer, ohne dass altes Brot da sein muss.
- Mit Kirschsoße obendrauf: Den aufgefangenen Saft mit einem Teelöffel Speisestärke aufkochen und über die Stücke gießen. Aus einer Zutat, die du sonst wegkippst, wird eine Soße für null Cent extra.
- Herzhaft gedacht: Zucker weglassen, Grieß in Milch mit Salz und Muskat kochen, geriebenen Käse untermischen. Ein anderer Auflauf, dieselbe Technik — falls dir süße Hauptgerichte grundsätzlich nicht liegen.

Wo hier das Geld bleibt
Ein Liter Milch für 1,15 € und 150 g Grieß für 24 Cent tragen dieses Essen. Die 500-g-Packung Weichweizengrieß kostet etwa 79 Cent und reicht für drei solcher Aufläufe — deshalb steht bei mir immer eine im Schrank. Das Glas Schattenmorellen für 1,39 € ist mit Abstand der größte Posten und gleichzeitig der einzige, den du wirklich ersetzen kannst.
Fettarme Milch spart etwa 15 Cent und macht den Auflauf ein wenig lockerer. Beim Zucker bin ich mit 70 Gramm sparsam, weil die Kirschen aus dem Glas ohnehin gesüßt sind; wer aus dem Vorrat ungezuckerte Kirschen nimmt, gibt zwei Löffel mehr dazu.
Der Fehler wäre, Instant-Grießbrei-Pulver zu kaufen. Eine Packung für zwei Portionen liegt bei 89 Cent, für vier Portionen bräuchtest du zwei davon — 1,78 € für etwas, das aus 150 g Grieß im Wert von 24 Cent besteht. Und du müsstest die Milch trotzdem selbst dazugeben.
Beim nächsten Mal
Probier ihn kalt. Ich habe das lange für eine Notlösung gehalten, bis mein Sohn sich ein Stück aus der Form in die Brotdose gepackt hat, ohne zu fragen. Kalt ist der Auflauf fest wie ein Kuchenstück, lässt sich mit den Fingern essen und schmeckt nach Kirschmilch. Seitdem backe ich sonntags die Form voll und rechne den Montag gleich mit ein. Wer die weiche Variante lieber mag, kocht den Grießbrei mit Kirschen im Topf, und wer Milchsüßes generell mag, ist beim Milchreis mit Zimt und Zucker richtig.
