99 Cent. So viel kostet bei uns ein Teller Grießbrei mit Kirschen, wenn ich zusammenrechne, was tatsächlich in den Topf wandert. Vier Teller, ein Topf, und danach steht keiner mehr am Kühlschrank und fragt, ob es noch etwas gibt.
Im Kühlregal steht der fertige Grießbrei im 200-Gramm-Becher, je nach Woche für 79 bis 99 Cent das Stück. Meine beiden wären davon nicht satt, ich bräuchte mindestens sechs Becher und läge bei über fünf Euro — für etwas, das in zwanzig Minuten auf dem Herd fertig ist. Mein Großer nennt das Ganze „Kindergarten-Essen“, und er meint es als Lob. Es schmeckt tatsächlich genau so wie damals im Gruppenraum: heller, warmer Brei und obendrauf ein dunkelroter See aus Sauerkirschen.
Bei uns gibt es das freitags, wenn die Woche durch ist und ich nichts mehr schnippeln will. Ein süßes Hauptgericht, dazu vielleicht noch ein Apfel in Spalten. Mehr braucht es nicht, und ich kenne kaum ein Essen, bei dem beide Kinder so zuverlässig den Teller leer machen. Was sonst noch bei uns auf dem Tisch landet, steht bei den kinderfreundlichen Rezepten.
Warum wird Grießbrei klumpig?
Weil der Grieß in stehende Milch fällt. Schüttest du eine Handvoll auf ruhige, heiße Milch, legt sich um jedes Körnchen sofort eine Kleisterhülle, und die Klümpchen bekommst du danach nicht mehr auseinander. Die Lösung ist banal und funktioniert immer: Die Milch muss sprudelnd kochen, du rührst mit dem Schneebesen einen Strudel hinein und lässt den Grieß in einem dünnen Strahl hineinrieseln, während du weiterrührst. Dreißig Sekunden Aufmerksamkeit, dann ist die Sache erledigt.
Der zweite Punkt: Grieß quillt nach. Der Brei sieht nach zwei Minuten noch viel zu flüssig aus, und genau dann nehme ich ihn vom Herd. Wer so lange kocht, bis es im Topf richtig dick ist, hat zehn Minuten später einen Klotz in der Schüssel.
So koche ich ihn
- Die Kirschen abgießen, den Saft dabei auffangen. Rund 250 ml brauchst du für die Soße, der Rest ist Saft für die Kinder.
- Die Speisestärke mit vier Esslöffeln vom kalten Saft glatt rühren. Kalt, nicht heiß — sonst hast du in der Soße genau die Klümpchen, die du im Brei vermieden hast.
- Den restlichen Saft mit einem Esslöffel Zucker aufkochen, die angerührte Stärke einrühren und einmal aufwallen lassen. Die Kirschen dazugeben und den Topf vom Herd ziehen.
- Die Milch mit dem Zucker, dem Vanillezucker, einer Prise Salz und der Butter in einem großen Topf aufkochen. Der Topf darf ruhig zu groß wirken, Milch steigt gern über den Rand.
- Sobald es sprudelt: Hitze auf die kleinste Stufe, mit dem Schneebesen rühren und den Grieß langsam einrieseln lassen.
- Zwei Minuten unter Rühren leise köcheln lassen. Der Brei ist jetzt noch deutlich flüssiger, als du erwartest — das ist richtig so.
- Topf vom Herd, Deckel drauf, fünf Minuten quellen lassen. In der Zeit deckst du den Tisch.
- Noch einmal kräftig durchrühren, in tiefe Teller füllen, Kirschen darauf verteilen.

Muss es Vollmilch sein?
Fettarme Milch geht genauso, der Brei wird dann etwas weniger sämig. H-Milch aus dem Vorrat funktioniert wie frische, und weil bei mir sowieso ein Sechserpack im Schrank steht, koche ich Grießbrei meistens damit — dann muss ich für das Abendessen gar nicht erst einkaufen gehen.
Was nicht funktioniert, habe ich selbst ausprobiert: Ich wollte einmal sparen und die Hälfte der Milch durch Wasser ersetzen. Das Ergebnis war blass und schmeckte nach nasser Pappe. Hinterher habe ich so viel Zucker hineingerührt, dass von der Ersparnis nichts übrig blieb. Milch ist hier keine Zutat, die man streckt, sie ist das eigentliche Gericht.
Kirschen aus dem Glas, tiefgekühlt oder frisch?
Aus dem Glas. Ein 720-ml-Glas Schattenmorellen kostet bei Aldi und Lidl je nach Woche 1,29 bis 1,59 €, darin stecken rund 350 g abgetropfte Kirschen und der Saft, aus dem die Soße wird. Frische Sauerkirschen gibt es hier drei Wochen im Jahr, sie kosten ein Vielfaches, und entsteinen müsste ich sie auch noch. Tiefgekühlte Kirschen sind meist süße und bringen keinen Saft mit, den man binden könnte.
Mein Einkaufstrick dazu: Im Sommer, wenn die Konservenregale Platz für die Grillsachen machen, gehen die Gläser oft für unter einen Euro raus. Ich nehme dann vier oder fünf mit. Sie halten zwei Jahre, und im November bin ich froh darüber.
Wo bei diesem Essen das Geld bleibt
Der größte Posten ist die Milch mit 1,73 € für anderthalb Liter, danach kommen die Kirschen mit 1,49 €. Der Grieß, um den es eigentlich geht, kostet 32 Cent: Eine 500-g-Packung Weichweizengrieß liegt bei etwa 79 Cent und reicht bei uns für zweieinhalb solcher Töpfe. Genau deshalb ist Grießbrei so billig — die Hauptzutat wiegt fast nichts und quillt auf ein Vielfaches auf.
Weiter drücken kannst du den Preis mit fettarmer Milch, das spart etwa 20 Cent, und indem du den Vanillezucker weglässt. Was ich nicht streichen würde, ist die Butter im Brei. Ein Esslöffel für 12 Cent macht ihn glänzend und rund; ohne sie wirkt er mager.
Der teure Fehler wäre, die Kirschsoße durch fertige Kirschgrütze oder Puddingpulver zu ersetzen. Ein Becher Grütze kostet für sich allein mehr als mein komplettes Kirschtopping, und die Speisestärke für fünf Cent ist exakt dasselbe Bindemittel, das auch in der Grütze steckt.
Und wenn etwas übrig bleibt?
Kalter Grießbrei wird fest, das ist normal und kein Grund, ihn wegzuwerfen. Mit einem Schuss Milch und dem Schneebesen wird er wieder cremig, kalt oder kurz in der Mikrowelle. Meine Tochter isst ihn am liebsten direkt aus der Schüssel aus dem Kühlschrank, und ich habe aufgehört, mich darüber zu wundern.
Die andere Möglichkeit: den Rest in eine flache Form streichen, kalt werden lassen, in Rauten schneiden und in etwas Butter goldbraun braten. Grießschnitten mit Apfelmus, ein zweites Essen aus demselben Topf. Wenn ohnehin Grieß im Schrank steht, lohnt sich auch der Grießauflauf mit Kirschen aus dem Glas — dasselbe Prinzip, nur mit Ei aufgeschlagen und im Ofen gebacken. Und wer süße Hauptgerichte mag, ist bei den Armen Rittern gut aufgehoben.
Bei uns bleibt allerdings selten etwas übrig. Reste gibt es genau dann, wenn ich vergesse, dass mein Sohn inzwischen zweimal nachnimmt.
