„Ist heute schon Freitag?“ — meine Tochter fragt das seit ungefähr zwei Jahren immer donnerstags, und sie meint damit nicht das Wochenende. Sie meint Fischstäbchen. Irgendwann hat sich dieser Abend bei uns festgesetzt, ohne dass ich das je beschlossen hätte, und inzwischen wäre es ein kleiner Skandal, freitags etwas anderes zu kochen.
Dazu gibt es Kartoffelsalat mit Brühe, nicht mit Mayonnaise. Der ganze Abend kostet 8,32 € für vier Personen, also 2,08 € pro Person. Weil ich zu diesem Abend mehr Fragen gestellt bekomme als zu jedem anderen Rezept, steht hier alles der Reihe nach.

Ofen oder Pfanne?
Ofen. Ohne Diskussion. In der Pfanne saugt die Panade Öl, und 24 Stäbchen brauchen drei Durchgänge, während die erste Portion kalt wird. Auf dem Blech liegen alle gleichzeitig und brauchen kein Fett.
Bei mir kommen sie bei 220 Grad Ober-/Unterhitze für 20 Minuten aufs Blech, nach der Hälfte einmal gewendet. Auf der Packung steht meist 200 Grad und 15 Minuten — das ergibt Stäbchen, die durch sind, aber blass bleiben.
Muss der Kartoffelsalat Mayonnaise haben?
Nein, und bei uns hat er sie auch nicht. Die Grundlage ist heiße Brühe, die über die noch warmen Kartoffelscheiben kommt, dazu Essig, Öl, Senf, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker. Erst ganz zum Schluss rühre ich zwei Löffel Remoulade unter — das reicht für den cremigen Ton, ohne dass der Salat schwer wird.
Wichtig ist die Reihenfolge: Die Kartoffeln müssen warm sein, wenn die Brühe dazukommt. Kalte nehmen nichts mehr auf, dann steht die Flüssigkeit unten in der Schüssel. Ich pelle sie deshalb, sobald ich sie halten kann, auch wenn es unangenehm heiß ist.

Wie lange muss der Salat ziehen?
Mindestens eine halbe Stunde, besser zwei. Der Salat wird in dieser Zeit von „Kartoffeln in Brühe“ zu Kartoffelsalat, und das lässt sich nicht abkürzen. Ich mache ihn also zuerst, stelle ihn zugedeckt beiseite und schiebe erst dann das Blech in den Ofen.
Die Gurke und die Radieschen kommen aber erst kurz vor dem Essen dazu. Beide ziehen Wasser, und wenn sie zwei Stunden mit im Salat liegen, ist der Salat suppig und die Gurke labberig. Das war einer meiner ersten Fehler: alles auf einmal reingeworfen und mich gewundert, warum am Ende eine Pfütze in der Schüssel stand.
Wie läuft der Abend Schritt für Schritt?
- Kartoffeln waschen und mit Schale in Salzwasser kochen, je nach Größe 20 bis 25 Minuten. Sie sind fertig, wenn ein Messer ohne Widerstand hineingeht.
- Währenddessen die Zwiebel sehr fein würfeln und 250 Milliliter kräftige Gemüsebrühe aufkochen. Die Zwiebel in die heiße Brühe geben und zwei Minuten ziehen lassen — so verliert sie die Schärfe.
- Kartoffeln abgießen, kurz ausdampfen lassen, noch warm pellen und in Scheiben von etwa einem halben Zentimeter schneiden. In eine große Schüssel schichten.
- Die heiße Brühe mit der Zwiebel darübergießen, dazu drei Esslöffel Essig, einen Teelöffel Senf, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker. Vorsichtig umheben, damit die Scheiben ganz bleiben. Zugedeckt mindestens 30 Minuten ziehen lassen.
- Backofen auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Fischstäbchen mit Abstand auf ein Blech mit Backpapier legen, gefroren, ohne Öl.
- 20 Minuten backen, nach 10 Minuten alle einmal wenden. Sie sind fertig, wenn die Panade an den Kanten dunkelgolden ist.
- In den letzten Minuten drei Esslöffel Öl und zwei Esslöffel Remoulade unter den Salat rühren, dann die Gurke in dünnen Scheiben und die Radieschen in Vierteln dazugeben. Nochmal abschmecken — nach dem Ziehen braucht er fast immer mehr Salz.
- Petersilie darüberstreuen, Zitrone in Spalten schneiden und mit den heißen Stäbchen direkt vom Blech servieren.

Lohnt es sich, die Stäbchen selbst zu machen?
Ich habe es genau einmal versucht. Tiefgekühltes Seelachsfilet aufgetaut, in Streifen geschnitten, Mehl, Ei, Paniermehl, alles einzeln paniert. Zwei Stunden Küche, drei Schüsseln zum Spülen, ein Fisch, der beim Schneiden auseinanderfiel. Und am Tisch sagte mein Sohn: „Die schmecken heute komisch.“
Selbst gemacht kam ich auf 4,80 € für dieselbe Menge, gekauft zahle ich 2,79 €. Teurer, aufwendiger, bei den Kindern durchgefallen. Manche Sachen kauft man einfach. Bei den Hähnchen-Nuggets mit Cornflakes-Panade sieht die Rechnung übrigens völlig anders aus, da lohnt sich das Selbermachen deutlich.
Wo an diesem Abend gespart wird
Fischstäbchen kaufe ich nur in der 30er-Packung für rund 3,49 €. Die 15er-Packung kostet 2,29 €, also pro Stäbchen fast dreißig Prozent mehr. Für unseren Abend rechne ich 24 Stück, den Rest gibt es beim nächsten Mal oder mittags in einem Brötchen mit Remoulade.
Beim Kartoffelsalat liegt die eigentliche Ersparnis in der Brühe-Variante: Eine Schüssel mit Mayonnaise braucht gut 200 Gramm davon, das sind 90 Cent bis 1,20 €. Meine Brühe kostet zehn Cent, dazu zwei Löffel Remoulade. Der Salat schmeckt dabei nicht ärmer, sondern nur anders — und ehrlich gesagt esse ich ihn lieber.
Die Radieschen mit 79 Cent lasse ich weg, wenn das Wochengeld knapp wird. Die Petersilie bleibt: Ein Topf für 79 Cent steht bei mir auf der Fensterbank und hält vier bis sechs Wochen, das ist billiger als jedes Bund. Weitere Gerichte, bei denen zu Hause nicht diskutiert wird, findest du unter Kinderfreundliche Rezepte.
Und wenn etwas übrig bleibt?
Kartoffelsalat schmeckt am nächsten Tag besser. Er wird nur trockener — ein Schuss Brühe und ein halber Löffel Essig, und er ist wieder da. Übrige Fischstäbchen wandern bei uns kalt in die Brotdose, zwischen zwei Scheiben Toast mit einem Klecks Remoulade. Meine Tochter behauptet, so seien sie sogar besser. Ich glaube ihr das nicht ganz, aber die Dose kommt immer leer zurück.
