Im Februar habe ich vier Wochen lang jeden Kassenzettel in einen Schuhkarton geworfen. Nicht aus Ordnungsliebe, sondern weil mein Mann und ich uns nicht einig wurden. Er war überzeugt, dass der Discounter längst keinen Unterschied mehr macht — „das ist doch alles gleich teuer geworden“. Ich hatte den Verdacht, dass unser Einkauf immer genau dann aus dem Ruder läuft, wenn ich zwischendurch schnell in den Supermarkt an der Ecke gehe.
Am Ende lagen 23 Zettel auf dem Küchentisch. In den Wochen, in denen der große Einkauf beim Discounter lief und der Supermarkt nur die Lücken gefüllt hat, waren wir bei 88 bis 94 €. In den beiden Wochen, in denen es andersherum lief, weil zwischen Arbeit und Schule nichts anderes ging, standen 104 und 107 € unter dem Strich. Gleiche vier Personen, ähnliche Gerichte, ungefähr die gleiche Menge Essen.
Das beweist nichts, dafür ist die Stichprobe viel zu klein. Aber seitdem schaue ich genauer hin. Was hier steht, ist meine Erfahrung aus Dortmund, Stand Juni 2026 — und ein Markt kann zwei Straßen weiter schon ganz anders aussehen, gerade bei Rewe und Edeka, wo viele Läden von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. Die Zahlen sind Größenordnungen aus meinem Alltag, keine Preisliste.

Die vier im Schnellüberblick
So sortiere ich die vier für mich, nach ein paar Jahren Wocheneinkauf mit knappem Rahmen. „Schwächen“ heißt hier nichts anderes als: was mir persönlich fehlt, wenn ich mit meinem Zettel dort stehe.
| Kette | Stärken | Schwächen | Wofür ich hingehe |
|---|---|---|---|
| Aldi | Schmales Sortiment, ich bin in zwanzig Minuten durch; die Preise für die Basics ändern sich bei mir am seltensten | Wenig Auswahl, sobald ich etwas Bestimmtes suche; frische Kräuter oder eine einzelne Möhre finde ich hier selten | Der Grundeinkauf: Mehl, Nudeln, Reis, Milch, Quark, Tiefkühlgemüse |
| Lidl | Backstation, mehr Auswahl bei Backzutaten und Nüssen, wöchentlich wechselnde Obst- und Gemüseaktionen | Der Mittelgang mit der Nicht-Lebensmittel-Ware kostet mich regelmäßig Geld, das ich nicht eingeplant hatte | Brötchen, Aktionsgemüse, Backzutaten |
| Rewe | Breites Sortiment, eine günstige eigene Basismarke, Wochenangebote, die sich wirklich rechnen können | Wer ohne Zettel und ohne Blick auf die Angebote hineingeht, zahlt für dieselbe Ware spürbar mehr | Was der Discounter nicht führt, plus gezielt zwei, drei Angebote |
| Edeka | Bedientheke für Fleisch und Käse, große Sortimentsbreite, je nach Markt regionale Sachen | Von Markt zu Markt sehr unterschiedlich — was im einen gilt, kann ich nicht auf den nächsten übertragen | Fleisch in kleinen Mengen von der Theke, Zutaten, die ich sonst nirgends bekomme |
Der wichtigste Satz dazu: Ich gehe nicht in vier Läden. Ich gehe in einen, an guten Tagen in zwei. Die Tabelle sagt nur, wofür ich welchen ansteuere, wenn ich die Wahl habe.
Produktgruppe für Produktgruppe
Grundnahrungsmittel
Hier ist der Abstand für mich am deutlichsten, und vor allem ist er verlässlich. Grob gerechnet, Stand Juni 2026 in meinen Läden:
| Produkt | Eigenmarke Discounter | Eigenmarke Supermarkt | Bekannte Marke |
|---|---|---|---|
| Weizenmehl Type 405, 1 kg | ca. 0,79 € | ca. 0,89 € | ca. 1,49 € |
| Nudeln, 500 g | ca. 0,59 € | ca. 0,69 € | ca. 1,49 € |
| Langkornreis, 1 kg | ca. 1,89 € | ca. 2,09 € | ca. 3,29 € |
| Zarte Haferflocken, 500 g | ca. 0,79 € | ca. 0,89 € | ca. 1,59 € |
| Sonnenblumenöl, 1 l | ca. 1,99 € | ca. 2,19 € | ca. 2,99 € |
| Gehackte Tomaten, 400 g | ca. 0,55 € | ca. 0,69 € | ca. 1,29 € |
| Rote Linsen, 500 g | ca. 1,49 € | ca. 1,69 € | ca. 2,49 € |
Für einen einzelnen Einkauf klingt das nach Kleinkram, zwanzig Cent hier, vierzig dort. Aber Mehl, Nudeln, Reis, Haferflocken und Dosentomaten kaufe ich das ganze Jahr über nach. Als ich diese sieben Zeilen einmal auf zwölf Monate hochgerechnet habe, kam ich auf einen mittleren zweistelligen Betrag — nur für diese Handvoll Produkte.
Wichtiger als der Ladenname ist bei Grundnahrungsmitteln aber die kleine Zahl unten auf dem Preisschild: der Grundpreis pro Kilo oder Liter. Die Kilotüte Mehl ist fast immer günstiger als zwei 500-Gramm-Packungen, bei Reis und Nudeln genauso. Die Ausnahme sind Aktionen, bei denen ausgerechnet die kleine Packung heruntergesetzt ist. Dann rechne ich am Regal nach und nehme eben die kleine.
Was aus diesem Vorratsschrank alles wird, steht hier zuhauf: Aglio e Olio braucht fünf Sachen, die ohnehin da sind, das Rote-Linsen-Curry mit Reis nicht viel mehr.
Obst & Gemüse
Netz- und Kistenware kaufe ich beim Discounter: 2,5 kg Kartoffeln um die 2,99 €, ein Kilo Möhren um 0,99 €, zwei Kilo Zwiebeln um 1,99 €, zwei Kilo Äpfel je nach Saison zwischen 2,99 und 3,99 €, Bananen um 1,49 € das Kilo. Paprika schwankt am stärksten: 500 g habe ich in diesem Frühjahr für 1,79 € gesehen und drei Wochen später für 2,79 €, im selben Laden.
Wofür ich in den Supermarkt gehe, sind kleine Mengen. Wenn ich drei Möhren brauche und nicht ein Kilo, ist lose Ware am Ende günstiger als das Netz, aus dem die Hälfte im Gemüsefach schrumpelt. Und für die Kiste mit reduzierter Ware am späten Nachmittag, die es bei mir im Rewe fast immer gibt: angestoßene Äpfel, zu weiche Tomaten, Paprika mit einer Delle. Daraus wird bei uns noch am selben Abend bunte Gemüsesuppe.
Die größte Ersparnis liegt bei Obst und Gemüse sowieso nicht am Laden, sondern an der Jahreszeit. Hokkaido kostet im Oktober ungefähr die Hälfte von dem, was im März dafür aufgerufen wird. Deshalb gibt es Kürbissuppe bei uns im Herbst und sonst nicht.
Milchprodukte
Milch, Naturjoghurt und Quark liegen zwischen Discounter und Supermarkt-Eigenmarke bei mir nur wenige Cent auseinander: ein Liter Milch um 1,19 €, 500 g Naturjoghurt um 0,69 €, 500 g Speisequark um 0,99 €. Dafür fahre ich nirgendwohin.
Größer wird der Unterschied bei Butter und Käse. 250 g Butter bewegen sich bei mir zwischen 2,29 € und deutlich über drei Euro, und zwar nicht nur zwischen den Läden, sondern von Woche zu Woche im selben Regal. Butter ist bei uns deshalb ein reines Angebotsprodukt: Liegt sie unter 2,50 €, nehme ich vier Stück mit und lege drei ins Gefrierfach.
Beim Käse ist die Form teurer als die Sorte. 400 g Gouda am Stück liegen bei etwa 3,29 €, dieselbe Sorte in Scheiben kostet als 150-Gramm-Packung um 1,49 € — aufs Kilo gerechnet fast das Doppelte. Seit ich einen Reibeaufsatz für die Küchenmaschine habe, kaufe ich fast nur noch am Stück. Bei den Käse-Makkaroni merkt man das sofort.
Fleisch & Wurst
500 g gemischtes Hackfleisch liegen bei mir zwischen 3,79 € und 4,49 €, ein Kilo Hähnchenschenkel zwischen 3,49 € und 3,99 €, ein Ring Fleischwurst um 1,99 €. Bei abgepackter Standardware ist der Discounter für mich der Normalfall.
Die Bedientheke bei Edeka oder Rewe ist pro Kilo meistens teurer — aber ich kann dort 300 g bestellen, statt eine 500-Gramm-Packung zu kaufen. Für ein Gericht, in dem Fleisch nur mitspielt, ist das unterm Strich billiger. Für den Kartoffelsalat mit Fleischwurst lasse ich mir vier dicke Scheiben abschneiden, statt einen ganzen Ring zu kaufen, von dem die Hälfte liegen bleibt.
Reduzierte Ware mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum nehme ich mit, wenn ich sie am selben Tag einfrieren kann. Einmal habe ich es übertrieben: sechs Packungen Hackfleisch zu je 2,20 €, weil das ein so guter Preis war. Danach war das Gefrierfach so voll, dass eine Woche lang kein Brot mehr hineinpasste, und es gab drei Wochen am Stück irgendetwas mit Hack. Frikadellen kann hier seitdem jeder auswendig.
Tiefkühl
Tiefkühlware kaufe ich fast ausschließlich beim Discounter, und zwar in großen Beuteln: ein Kilo Erbsen um 1,49 €, 450 g Rahmspinat um 0,99 €, ein Kilo Ofenpommes zwischen 1,49 € und 1,79 €, fünfzehn Fischstäbchen zwischen 2,49 € und 2,99 €. Beeren sind die Ausnahme, die teuer bleibt: 300 g bekomme ich kaum unter 2,29 €.
Der Grundpreis lohnt hier den Blick besonders, weil die kleinen 300-Gramm-Beutel im Regal günstiger aussehen und es fast nie sind. Ein Kilo Erbsen hält bei uns drei Gerichte durch, zum Beispiel gebratenen Reis mit Ei und Erbsen — und weggeworfen wird nichts, weil im Gefrierfach nichts schlecht wird.
Backwaren
An der Backstation im Discounter zahle ich für ein Brötchen 29 bis 39 Cent, beim Bäcker im Vorraum des Supermarkts 55 bis 79 Cent. Bei zehn Brötchen am Wochenende sind das drei bis vier Euro Unterschied für dasselbe Frühstück.
Am günstigsten bleibt trotzdem der eigene Ofen, und zwar mit Abstand. Ein Topfbrot ohne Kneten kostet mich 1,12 € für knapp ein Kilo und braucht keine zehn Minuten Arbeit. Laugenbrötchen mit Natron und Milchbrötchen liegen bei etwa 70 Cent für vier Portionen. Ich backe nicht jede Woche, aber sonntags läuft der Ofen fast immer.

Eigenmarke oder Marke?
Mein erster Versuch war ein Reinfall. Ich habe an einem Samstag den halben Vorratsschrank auf Eigenmarken umgestellt, alles auf einmal, und am Sonntag saß eine sehr enttäuschte Familie am Frühstückstisch. Jonas hat die Schokocreme probiert und wortlos zur Butter gegriffen, Lina hat ihre Cornflakes im Teller stehen lassen. Ich war beleidigt, die Kinder waren es auch.
Seitdem tausche ich pro Woche ein Produkt aus und schaue, ob es überhaupt jemandem auffällt. Bei Mehl, Nudeln, Reis, Öl, Dosentomaten, Backpulver, Tiefkühlgemüse und Quark hat in vier Jahren nie ein Mensch etwas gesagt. Bei Schokocreme, Cornflakes und Ketchup gab es Protest, und dabei habe ich es belassen — drei Produkte, bei denen mir der Frieden am Frühstückstisch mehr wert ist als 1,50 € Unterschied.
Grob geschätzt liegt mein Warenkorb dadurch etwa ein Fünftel unter dem, was er mit lauter bekannten Marken kosten würde. Das Beste daran ist, dass es keine tägliche Entscheidung mehr ist: Die Sachen stehen einmal auf dem Zettel und dann jahrelang.
Lohnt sich der zweite Laden?
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, und die ehrliche Antwort lautet: manchmal. Ich habe es an einem Donnerstag im Mai einmal sauber ausgerechnet, mit demselben Zettel und derselben Menge.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Warenkorb komplett im Supermarkt | 96,80 € |
| Warenkorb aufgeteilt: Discounter plus Supermarkt | 87,90 € |
| Ersparnis | 8,90 € |
| Fahrt zum zweiten Laden, 6 km hin und zurück | −1,80 € |
| Zusätzlicher Zeitaufwand | 25 Minuten |
| Bleibt übrig | 7,10 € |
Gut sieben Euro für 25 Minuten. Das ist kein schlechter Schnitt, aber es ist eben auch nicht geschenkt — und an einem Tag, an dem ich um halb sechs aus der Arbeit komme und Jonas um sechs beim Training sein muss, sind diese 25 Minuten schlicht nicht da.
Zwei Dinge kippen die Rechnung außerdem regelmäßig. Erstens der Umweg: Liegen beide Läden auf meinem normalen Weg, kostet die Fahrt gar nichts extra und die Rechnung sieht sofort besser aus. Muss ich extra losfahren, bleibt fast nichts übrig. Zweitens der Einkaufswagen. Ich bin einmal wegen Butter im Angebot in den zweiten Laden gegangen und mit 18,40 € wieder herausgekommen. Gespart hatte ich an dem Tag 1,20 €.
Bei uns läuft es deshalb so: ein großer Discounter-Einkauf samstags früh um acht, wenn der Laden noch leer ist. Dazu ein kleiner zweiter Gang unter der Woche, aber nur mit Zettel und nur, wenn ich sowieso dort vorbeikomme. Alles andere hat bei mir nie länger als vier Wochen gehalten.
Lina liest seit ein paar Monaten die Preisschilder vor. Rechnen kann sie damit noch nicht, aber sie hat begriffen, dass die kleine Zahl unten etwas bedeutet, und stellt mir vor dem Mehlregal jedes Mal dieselbe Frage: „Große Tüte oder kleine?“ Ich sage jedes Mal „große“, und beim nächsten Einkauf fragt sie wieder. Wir sind ein gutes Team.
