Mein erster Milchreis war unten schwarz und oben roh. Ich hatte den Topf auf die große Platte gestellt, Hitze fast ganz auf, und bin zwischendurch ins Wohnzimmer gegangen, um Wäsche zusammenzulegen. Als ich zurückkam, roch die Wohnung nach verbrannter Milch — ein Geruch, der drei Tage im Flur hängt und den ich seitdem sofort wiedererkenne.
Inzwischen steht dieser Topf bei uns alle zwei Wochen auf dem Tisch, meistens mittwochs, wenn ich spät von der Arbeit komme. 77 Cent kostet eine Portion, Apfelmus schon eingerechnet. Damit ist Milchreis das günstigste vollständige Abendessen, das ich kenne — und das einzige, bei dem beide Kinder ohne Diskussion an den Tisch kommen.
Weil mir zu diesem Topf immer wieder dieselben Dinge geschrieben werden, gehe ich sie hier der Reihe nach durch.
Ist Milchreis abends wirklich ein Essen?
In deutschen Küchen: ja, seit Generationen. Süßes als Hauptgericht war bei meiner Oma mittags völlig normal, und niemand wäre auf die Idee gekommen, das Nachtisch zu nennen. In diesem Topf stecken 300 g Reis und gut ein Liter Milch, verteilt auf vier Teller. Das ist kein Löffelchen zum Abschluss, das ist ein voller Teller, nach dem hier keiner mehr in den Kühlschrank guckt.
Mein Mann hat anfangs gefragt, ob es „dazu“ noch etwas gibt. Gibt es nicht. Beim dritten Mal hat er sich nachgenommen, und seitdem ist die Frage nicht mehr gekommen. Wenn du unsicher bist, mach beim ersten Mal einen Teller Apfelmus dazu — dann sieht es nach mehr aus und ist trotzdem billig.
Muss es Rundkornreis sein?
Ja, und das ist der einzige Punkt, an dem du beim Einkauf aufpassen musst. Milchreis ist Rundkornreis: dicke, kurze Körner, die beim Kochen Stärke abgeben und die Milch dadurch sämig machen. Langkornreis gibt diese Stärke nicht her. Ich habe es einmal probiert, weil noch eine angebrochene Tüte da stand — herausgekommen ist Reis, der in dünner süßer Milch schwimmt. Die Kinder haben die Milch getrunken und den Reis liegen lassen.
Die 500-g-Packung Milchreis kostet bei Aldi und Lidl um die 1,09 €, im Aktionsregal auch mal 0,89 €. Was du nicht kaufen solltest, sind die fertigen Becher aus dem Kühlregal: 200 g für 0,55 € klingt harmlos, macht aber 2,75 € pro Kilo fertigen Milchreis. Mein Topf kommt auf gut 3,00 € für rund 1,5 Kilo.
Wie viel Milch kommt auf wie viel Reis?
Ich rechne mit vier Teilen Milch auf einen Teil Reis: 300 g Reis, 1,25 Liter Milch. Das ergibt vier satte Portionen und einen Rest für die Brotdose am nächsten Tag. Nimmst du weniger Milch, wird der Reis fest und trocken; nimmst du mehr, brauchst du länger, bis es sämig wird.
Fettarme Milch mit 1,5 % funktioniert genauso, sie ist bei uns sogar ein paar Cent billiger. Der Reis wird damit etwas weniger cremig, aber mit einem Stich Butter am Ende merkt das niemand. Was ich nicht mehr mache: die Milch zur Hälfte durch Wasser ersetzen. Das spart 60 Cent und schmeckt nach nichts — Lina hat beim ersten Löffel gefragt, ob die Milch alle war.

Wie koche ich ihn, ohne dass er anbrennt?
- Nimm einen Topf mit dickem Boden und spüle ihn vor dem Kochen kalt aus. Das Wasser darin lassen, kurz schwenken, ausschütten — auf dem nassen Boden setzt die Milch später schlechter an.
- Milch, Zucker, Vanillezucker und eine ordentliche Prise Salz hineingeben. Salz klingt komisch bei etwas Süßem, macht den Geschmack aber erst rund.
- Bei mittlerer Hitze langsam erwärmen und dabei zwei-, dreimal umrühren. Nicht auf voller Stufe hochjagen — genau da geht es schief.
- Sobald die Milch am Rand Blasen wirft, den Reis einrieseln lassen und einmal gründlich vom Boden hochrühren.
- Hitze auf die kleinste Stufe stellen, Deckel schräg auflegen und 30 bis 35 Minuten quellen lassen. Alle fünf bis sechs Minuten einmal mit dem Holzlöffel über den Topfboden fahren, in den Ecken auch.
- Nach 30 Minuten probieren. Die Körner sollen weich sein, die Milch dick, aber noch fließend — sie zieht beim Abkühlen nach.
- Topf vom Herd nehmen, die Butter unterrühren und fünf Minuten mit Deckel stehen lassen.
- Auf Teller verteilen, Zimtzucker darüber, Apfelmus daneben. Fertig.
Zimtzucker mische ich selbst: vier Esslöffel Zucker, ein gestrichener Teelöffel Zimt, im alten Marmeladenglas geschüttelt. Ein fertiger Streuer kostet 1,29 € und enthält vor allem Zucker.
Wo genau spare ich hier?
Der Preis steckt fast komplett in der Milch: 1,44 € von insgesamt gut drei Euro. Alles andere ist Kleingeld. Deshalb lohnt es sich, Milch mitzunehmen, wenn sie im Angebot bei 0,99 € liegt — sie hält ungeöffnet wochenlang, und ich habe immer vier Packungen im Schrank stehen.
Der zweite Sparposten ist das Obst. Apfelmus im 700-g-Glas kostet etwa 1,05 €, davon brauche ich für vier Teller nicht einmal die Hälfte. Die kleinen Portionsbecher kosten pro Kilo das Dreifache. Genauso gut gehen Kirschen aus dem Glas oder ein grob geraspelter Apfel, wenn einer in der Schale übrig ist.
Der Fehler wäre, hier Sahne, Vanilleschote oder Markenreis zu nehmen. Eine echte Vanilleschote kostet 2,49 € — mehr als der ganze Topf. Das Päckchen Vanillezucker für 6 Cent tut hier denselben Dienst.
Was mache ich, wenn es abwechslungsreicher sein soll?
Wir wechseln durch: Zimtzucker ist die Standardversion, im Sommer gibt es Kirschen aus dem Glas dazu, im Winter warmes Apfelmus mit einer Prise Zimt. Jonas rührt sich einen Löffel Kakaopulver unter und behauptet, das sei Schokoladenreis. Wenn ich noch Rosinen im Schrank habe, koche ich sie ab Minute 20 mit, dann sind sie dick und weich.
Wer es etwas gehaltvoller mag, gibt am Ende einen Löffel Quark unter den heißen Reis. Das macht ihn cremiger und kostet ein paar Cent. Ähnlich funktioniert es beim Grießbrei mit Kirschen, der bei uns die Alternative ist, wenn kein Rundkornreis mehr da ist.

Und wenn etwas übrig bleibt?
Kalter Milchreis aus dem Kühlschrank wird fest wie Pudding. Ich rühre morgens einen Schuss Milch unter, dann ist er wieder cremig, und meine Tochter isst ihn kalt zum Frühstück lieber als warm zum Abendessen. In eine Schraubdose gefüllt hält er zwei Tage.
Falls doch mehr übrig bleibt: Aus festem Milchreis, einem Ei und zwei Löffeln Mehl werden kleine Küchlein, die in der Pfanne goldbraun braten. Weitere günstige Sattmacher aus Reis und Getreide findest du unter Reis und Getreide — und wenn du abends lieber etwas aus der Pfanne magst, sind die Apfelpfannkuchen die nächste Station.
