Sonntagmorgen, der Grill steht noch auf der Terrasse, und im Kühlschrank liegen acht Würstchen in einer Schüssel, mit Frischhaltefolie drüber. Angebraten, kalt, keiner will sie. Bei uns war das jahrelang der Punkt, an dem sie langsam nach hinten wanderten, hinter die Milch, und am Donnerstag im Müll landeten. Acht Würstchen, das sind knapp drei Euro, die man einfach wegwirft.
Seit ich Wurstgulasch koche, passiert das nicht mehr. Zwiebeln, Paprika, Tomatenmark, Brühe, ein Löffel Senf – fünfzehn Minuten köcheln, und aus der Grillrestewurst wird ein Sonntagabendessen, das kräftiger schmeckt als das Original. Für vier Personen 6,71 €, also 1,68 € pro Teller, Kartoffeln inklusive.

Das Grundrezept
Die Mengen sind großzügig gerechnet, du kannst hier nichts falsch machen. Wichtig ist nur die Reihenfolge, dazu gleich mehr.
- 1 kg Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden und in Salzwasser 20 Minuten kochen. Wer Brot dazu isst, überspringt diesen Schritt.
- 3 Zwiebeln in Halbringe schneiden, 2 Paprika in Streifen. Die Würstchen in etwa fingerdicke Scheiben schneiden und zunächst beiseitestellen.
- 2 EL Öl in einem weiten Topf erhitzen, die Zwiebeln darin bei mittlerer Hitze 6 bis 8 Minuten weich dünsten, bis sie an den Rändern goldbraun werden. Nicht drängeln – hier entsteht der Geschmack.
- Die Paprikastreifen dazugeben, 3 Minuten mitbraten. Dann 2 EL Tomatenmark einrühren und eine Minute mitrösten, bis es dunkler wird und leicht duftet.
- 1 gehäuften TL Paprikapulver edelsüß darüberstreuen, sofort umrühren und mit der Dose gehackten Tomaten sowie 400 ml Gemüsebrühe ablöschen. Paprikapulver verbrennt in Sekunden und wird dann bitter.
- 1 Lorbeerblatt und 1 EL mittelscharfen Senf einrühren, alles 10 Minuten offen köcheln lassen.
- Erst jetzt die Wurstscheiben dazugeben und nur noch 5 Minuten mitziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Lorbeerblatt herausnehmen.
- Mit den Kartoffeln servieren.
Warum die Wurst zuletzt in den Topf kommt
Mein erster Wurstgulasch war eine Enttäuschung, und ich weiß bis heute genau, woran es lag: Ich habe die Wurstscheiben zusammen mit den Zwiebeln angebraten und dann eine halbe Stunde köcheln lassen, wie bei echtem Gulasch. Danach war die Wurst ausgelaugt, gummiartig und geschmacklos, und die Sauce schwamm in Fett. Brüh- und Bratwürste sind bereits durchgegart. Sie brauchen keine Garzeit, sie brauchen nur Wärme.
Fünf Minuten am Ende reichen vollkommen. Die Scheiben bleiben saftig, geben trotzdem genug Würze an die Sauce ab, und das Fett bleibt da, wo es hingehört.
Varianten, je nachdem was übrig ist
- Mit Bratwurst: Die kräftigste Version. Grobe Bratwurst gibt richtig viel Würze an die Sauce ab, dann brauchst du kaum noch Salz. Vorher das Fett aus der Pfanne abgießen, sonst wird es zu schwer.
- Mit Wiener Würstchen: Milder und kinderfreundlich. Ein Glas kostet 1,49 €, damit landest du bei etwa 1,35 € pro Portion. Meine Kinder mögen diese Variante am liebsten.
- Gemischt: Genau das, was nach einem Grillabend übrig bleibt – zwei Bratwürste, drei Wiener, ein Stück Fleischwurst. Schmeckt am besten und ist der eigentliche Sinn der Sache.
- Sämiger: 1 EL Mehl über die Zwiebeln stäuben, bevor du ablöschst. Dann bleibt die Sauce an den Kartoffeln haften.
- Mit Schmand: Zum Schluss 2 EL Schmand einrühren und nicht mehr kochen lassen. Macht das Ganze runder für Kinder, die es nicht so würzig mögen.
- Ohne Paprika: Im Winter nehme ich stattdessen zwei Möhren in Scheiben und eine halbe Dose Mais. Kostet die Hälfte, die Farbe stimmt trotzdem.

Wo hier tatsächlich gespart wird
Der wichtigste Posten steht in keiner Rechnung: die Würstchen, die sonst weggeflogen wären. Acht Stück haben beim Einkauf für den Grillabend rund 2,80 € gekostet. Ob ich sie esse oder wegwerfe, ändert am Kassenbon nichts – aber es entscheidet darüber, ob ich am Sonntagabend noch einmal für vier Personen einkaufen muss oder nicht.
Der Rest ist billig: Zwiebeln 12 Cent das Stück, eine Dose gehackte Tomaten 55 Cent, ein Kilo Kartoffeln 1,20 €. Paprika sind der einzige Posten, bei dem ich aufpasse. Der 500-g-Beutel Mischpaprika kostet je nach Woche zwischen 1,49 € und 2,49 €; wenn er teuer ist, nehme ich Möhren. Fertiges Gulasch im Glas liegt bei 2,79 € für 400 Gramm – für vier Personen bräuchte ich zwei Gläser.
Was ich nicht ersetzen würde, ist das Tomatenmark. Ohne den gerösteten Löffel schmeckt die Sauce dünn und nach nichts, egal wie viel Brühe man hineinrührt. Er kostet zwanzig Cent und macht ein Drittel des Geschmacks.
Noch mehr Ideen für den Kühlschrank am Tag danach findest du unter Aus Resten vom Vortag. Wenn kein Grillabend vorausging und du das Gericht mit gekaufter Wurst kochst, nimm die schnellere Version mit Brot statt Kartoffeln. Bleiben Kartoffeln übrig, werden daraus am Montag Bratkartoffeln.
Ich mag dieses Gericht, weil es mir jedes Mal ein kleines schlechtes Gewissen erspart. Diese Schüssel mit den kalten Würstchen unter der Folie hat mich früher jedes Mal geärgert, und zwar nicht wegen der drei Euro, sondern weil ich es besser wusste und trotzdem nichts damit anfing.
