5,99 €. So viel kostet bei uns das fertige Grillhähnchen vom Discounter, und an einem Samstag mit zwei hungrigen Kindern ist das der günstigste Braten, den ich kenne. Was ich lange nicht kapiert habe: Von diesem Hähnchen bleibt fast die Hälfte übrig, weil bei uns alle nur an die Keulen und die Brust gehen.
Genau daraus wird am nächsten Tag dieses Frikassee. Ich rechne das Hähnchen in der Kostenaufstellung mit dem vollen Preis, damit die Zahl ehrlich ist – dann kostet der ganze Topf 8,35 €, also 2,09 € pro Portion. Wenn das Hähnchen am Samstag ohnehin auf dem Tisch stand und du nur die Reste verwendest, bleiben für den Sonntagabend 2,36 € übrig. Für vier Personen.
Und das Beste daran, jedenfalls aus Sicht meiner Kinder: keine Knochen, keine Haut, kein Gefummel. Nur weiches Fleisch in einer hellen Soße.
Wie aus einem Hähnchen zwei Abendessen werden
Am Samstag gibt es das Hähnchen warm, mit Brot oder Kartoffelsalat. Danach stelle ich es nicht als Ganzes in den Kühlschrank, sondern zupfe es noch am selben Abend ab, solange es lauwarm ist. Das dauert zehn Minuten und geht dann viel leichter, als wenn das Fett am nächsten Tag kalt und fest ist.
Aus einem Hähnchen kommen so 400 bis 450 g reines Fleisch zusammen, wenn man auch den Rücken und die Flügel absucht. Das Fleisch kommt in eine Schüssel in den Kühlschrank, das Gerippe in einen Gefrierbeutel. Am Sonntag dauert das Frikassee dann keine 30 Minuten mehr.
Mein Einkaufstrick dazu: Bei uns im Markt kommen samstags ab etwa 17 Uhr die roten Aufkleber auf die Hähnchen, die dann noch im Warmhalter liegen – 30 Prozent runter, weil sie sie über Nacht nicht behalten dürfen. Ich lege meinen Samstagseinkauf seit über einem Jahr auf diese Uhrzeit, und ich zahle für dasselbe Hähnchen 4,19 € statt 5,99 €. Frag bei dir an der Theke ruhig nach, ab wann reduziert wird. Man muss sich nur einmal trauen.
Die helle Soße ist eine Mehlschwitze, mehr nicht
Frikassee klingt nach Restaurant, ist aber Butter, Mehl und Flüssigkeit. Butter schmelzen, Mehl einrühren, kurz hell anschwitzen, dann die Brühe nach und nach angießen und dabei rühren. Am Ende kommt ein Schuss Sahne dazu, und das war es.
Der einzige Punkt, an dem es hakt: Die Flüssigkeit kommt in Schüben, nie auf einmal. Beim ersten Schub wird die Masse fest und klumpig – weiterrühren, nachgießen, dann wird sie glatt. Wer die ganze Brühe auf einmal hineinkippt, rührt hinterher gegen Klümpchen an, die nicht mehr weggehen.
Ein fertiges Frikassee im Glas kostet 2,49 € und reicht für zwei Portionen. Die Soße hier kostet mich, ohne Fleisch und Gemüse gerechnet, etwa 90 Cent für den ganzen Topf.

Schritt für Schritt
- Den Reis nach Packungsanweisung aufsetzen. 250 g reichen für vier Teller; er braucht meist genauso lange wie das Frikassee.
- Zwiebel fein würfeln, Möhren schälen und in dünne Scheiben schneiden. Das Hähnchenfleisch in mundgerechte Stücke zupfen, falls du das noch nicht am Vorabend erledigt hast.
- Die Butter in einem großen Topf schmelzen und die Zwiebelwürfel darin bei mittlerer Hitze glasig dünsten, ohne dass sie Farbe nehmen.
- Das Mehl darüberstäuben und eine Minute unter Rühren mitschwitzen lassen. Es soll hell bleiben.
- Die Brühe in vier, fünf Schüben angießen und jedes Mal glatt rühren, bevor der nächste kommt. Am Ende hast du eine sämige, gießbare Soße.
- Die Möhrenscheiben dazugeben und zehn Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen, bis sie weich sind.
- Erbsen und Hähnchenfleisch einrühren und fünf Minuten mitziehen lassen. Das Fleisch ist bereits gar, es soll nur heiß werden – kochen macht es trocken.
- Die Sahne unterrühren, mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat abschmecken. Zum Schluss den Zitronensaft löffelweise dazugeben und dazwischen probieren.
- Mit dem Reis servieren, am besten aus dem Topf direkt auf die Teller.

Beim Abzupfen achte ich auf drei Dinge
Erstens: Die Haut kommt weg. Sie ist warm knusprig und kalt gummiartig, und in der Soße macht sie das Ganze fettig. Ich ziehe sie in einem Stück ab, bevor ich anfange.
Zweitens: die kleinen Knochen. An den Flügeln und am Rücken sitzen dünne, spitze Knöchelchen, die man leicht übersieht. Ich zupfe deshalb grundsätzlich mit den Fingern und nicht mit der Gabel – fühlen ist sicherer als sehen. Bei Kindern am Tisch ist das der Punkt, an dem ich mir wirklich Zeit nehme.
Drittens: das dunkle Fleisch an der Unterseite. Genau dort sitzt das saftigste Stück, und genau das wird beim Essen am Vortag regelmäßig vergessen. Dreh das Gerippe einmal um, bevor du es weglegst.
Wo hier das Geld gespart wird
Der ganze Trick ist, dass das Fleisch schon bezahlt ist. 400 g Hähnchenbrustfilet frisch gekauft liegen bei etwa 4,50 € und müssen erst noch gewürzt und gebraten werden. Die Reste vom Grillhähnchen sind gewürzt, gar und kosten dich am zweiten Abend nichts mehr.
Beim Gemüse nehme ich, was da ist: TK-Erbsen aus dem 450-g-Beutel für 89 Cent statt Erbsen und Möhren aus dem Glas für 1,29 €. Wenn du Erbsen-Möhren-Gemüse im Glas im Vorrat hast, tut es das auch – dann sparst du dir das Schneiden.
Sahne kannst du weglassen und stattdessen 100 ml Milch nehmen, dann wird die Soße etwas dünner, schmeckt aber gut. Was du nicht ersetzen solltest, ist die Butter für die Mehlschwitze: Mit Öl bekommt die Soße einen faden Beigeschmack. 40 g sind 38 Cent, das ist es wert.
Der Fehler wäre, für ein Frikassee eine Hühnersuppe zu kochen und dabei zwei Stunden Herdzeit zu verheizen. Für die Soße reicht Instantbrühe völlig – die Würze kommt hier aus dem Hähnchen selbst.
Und noch ein Nachtrag zum Gerippe: Ich koche es mit Zwiebelschale, einem Möhrenende und etwas Salz eine Stunde aus. Das ergibt gut einen Liter Brühe, die eingefroren die Grundlage für die nächste Suppe ist. Mehr dazu und zu ähnlichen Zweitverwertungen findest du unter Aus Resten vom Vortag, etwa beim Montagsgulasch aus dem Sonntagsbraten oder beim Wurstgulasch mit den Würstchen vom Grillabend.
Falls vom Frikassee etwas übrig bleibt: Am nächsten Tag ist es dicker, weil der Reis nachquillt. Ein Schluck Wasser oder Milch beim Aufwärmen, kurz durchrühren, und es schmeckt wie am Vorabend. Bei uns wandert der Rest in eine kleine Dose und wird mittags in der Mikrowelle im Büro warm gemacht.
